TER (Total Expense Ratio) erklärt
Die Total Expense Ratio, kurz TER, ist die Kennzahl, die Sie bei jedem ETF als erstes sehen. Sie gibt an, welcher Prozentsatz Ihres investierten Kapitals jährlich für die Verwaltung des Fonds abgezogen wird. Doch Vorsicht: Die TER ist nicht die ganze Wahrheit über die ETF Kosten.
In der TER enthalten
- •Verwaltungsgebühren des ETF-Anbieters
- •Lizenzkosten für den Index (z.B. MSCI)
- •Depotbankgebühren
- •Wirtschaftsprüfung und rechtliche Kosten
- •Marketing und Vertrieb
NICHT in der TER enthalten
- •Transaktionskosten beim Rebalancing
- •Spread beim Kauf und Verkauf
- •Swap-Kosten bei synthetischen ETFs
- •Wechselkurskosten bei Fremdwährungen
- •Steuern auf Dividenden im Fonds
Typische TER-Bereiche nach ETF-Typ
Tracking Difference: Die wahren ETF Kosten
Die Tracking Difference (TD) zeigt, wie stark die Rendite eines ETFs von seinem Referenzindex abweicht. Sie ist der ehrlichste Indikator für die tatsächlichen Kosten eines ETFs - denn sie berücksichtigt alle Faktoren, die die Rendite beeinflussen.
Definition
Tracking Difference = ETF-Rendite - Index-Rendite
Eine negative Tracking Difference bedeutet, dass der ETF schlechter als der Index abschneidet. Eine positive TD (ja, das gibt es!) bedeutet, dass der ETF den Index sogar übertrifft - meist durch Erträge aus der Wertpapierleihe.
Warum die Tracking Difference wichtiger ist als die TER
Vollständiges Bild
Die TER zeigt nur die offiziellen Gebühren. Die TD erfasst alle Faktoren - auch versteckte Kosten und zusätzliche Erträge.
Praktische Relevanz
Die TD zeigt direkt, was bei Ihnen ankommt. Ein ETF mit 0,30% TER aber nur 0,15% Tracking Difference ist besser als einer mit 0,20% TER und 0,25% TD.
Berücksichtigt Ertragsquellen
Erträge aus Wertpapierleihe können die Kosten teilweise oder vollständig ausgleichen - das sehen Sie nur in der TD.
So berechnen Sie die Tracking Difference
Die einfachste Methode: Vergleichen Sie die 1-Jahres-Rendite des ETFs mit der 1-Jahres-Rendite des Index. Für verlässlichere Ergebnisse nutzen Sie den Durchschnitt über 3-5 Jahre.
Tipp: Auf justETF.com und trackingdifferences.com finden Sie vorberechnete Tracking Differences für alle gängigen ETFs.
Weitere ETF Kosten im Detail
Neben TER und Tracking Difference gibt es weitere Kosten, die Ihre Rendite beeinflussen. Diese fallen nicht beim ETF selbst an, sondern bei Kauf, Verkauf und Verwahrung.
Spread (Geld-Brief-Spanne)
Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis eines ETFs. Er fällt bei jeder Transaktion an und ist umso niedriger, je liquider ein ETF ist.
Große ETFs (MSCI World)
0,02% - 0,10%
Mittlere ETFs
0,10% - 0,30%
Kleine/Exotische ETFs
0,30% - 1,00%
Ordergebühren beim Broker
Ordergebühren fallen beim Kauf und Verkauf von ETFs an. Die Unterschiede zwischen Brokern sind erheblich - besonders für Sparpläne.
| Broker-Typ | Einmalkauf | Sparplan |
|---|---|---|
| Neobroker (Trade Republic, Scalable) | 0-1 Euro | Kostenlos |
| Direktbanken (ING, DKB, Comdirect) | 4,90-9,90 Euro | 0-1,5% (min. 1,50 Euro) |
| Filialbanken (Sparkasse, Volksbank) | 10-30 Euro | 1,5-2,5% |
Depotgebühren
Die meisten Online-Broker und Neobroker verzichten auf Depotgebühren. Bei klassischen Banken können jedoch jährliche Gebühren anfallen.
Empfehlung: Wählen Sie einen Broker ohne Depotgebühren. Trade Republic, Scalable Capital, ING, DKB und Comdirect bieten kostenlose Depots an.
Wechselkurskosten
ETFs, die in US-Dollar notieren, müssen beim Kauf in Euro umgerechnet werden. Dies kann zusätzliche Kosten von 0,1-0,5% verursachen.
Tipp: Die meisten großen ETFs auf Weltindizes werden auch an der Xetra in Euro gehandelt. Wählen Sie die Euro-Variante, um Wechselkurskosten zu vermeiden.
Versteckte Kosten bei ETFs
Manche ETF Kosten sind nicht auf den ersten Blick erkennbar. Diese versteckten Kosten beeinflussen die Tracking Difference und damit Ihre Rendite.
Swap-Kosten (synthetische ETFs)
Synthetische ETFs bilden den Index nicht durch den Kauf der Aktien ab, sondern durch Tauschgeschäfte (Swaps) mit Banken. Diese Swaps haben einen Preis, der je nach Marktbedingungen schwankt.
Bei synthetischen ETFs besteht zudem ein Kontrahentenrisiko - wenn die Swap-Bank ausfällt, könnte ein Teil des Vermögens verloren gehen. Das Risiko ist jedoch auf maximal 10% des Fondsvermögens begrenzt.
Wertpapierleihe
Viele ETF-Anbieter verleihen die gehaltenen Aktien an Leerverkäufer. Die daraus erzielten Erträge können die Kosten senken - manchmal sogar eine positive Tracking Difference ermöglichen.
Gut zu wissen: Bei großen Anbietern wie iShares oder Vanguard werden typischerweise 60-70% der Wertpapierleihe-Erträge an den Fonds (und damit an Sie) weitergegeben.
Rebalancing-Kosten
Wenn sich die Indexzusammensetzung ändert (z.B. neue Aktien im MSCI World), muss der ETF umschichten. Die dabei anfallenden Transaktionskosten sind nicht in der TER enthalten, beeinflussen aber die Tracking Difference.
Kosten-Vergleich: Günstige vs. teure ETFs
Was bedeuten unterschiedliche ETF Kosten langfristig für Ihr Vermögen? Hier sehen Sie den konkreten Unterschied bei einer monatlichen Sparrate von 200 Euro über 30 Jahre mit einer angenommenen Marktrendite von 7% p.a.
Langzeit-Auswirkung: 0,1% vs. 0,5% Kosten
Günstiger ETF (0,1% Kosten)
240.610 Euro
Eingezahlt: 72.000 Euro
Teurer ETF (0,5% Kosten)
222.434 Euro
Eingezahlt: 72.000 Euro
Ihr Vorteil durch günstigere ETF Kosten:
+18.176 Euro
Das sind mehr als 20% Ihrer gesamten Einzahlungen!
Beispiel: Kosten beliebter MSCI World ETFs
| ETF Name | TER | Tracking Diff. (3J) | Volumen (Mrd.) |
|---|---|---|---|
| iShares Core MSCI World | 0.20% | -0.12% | 65 Mrd. Euro |
| Xtrackers MSCI World | 0.19% | -0.08% | 12 Mrd. Euro |
| SPDR MSCI World | 0.12% | -0.05% | 8 Mrd. Euro |
| Amundi MSCI World | 0.12% | -0.15% | 3 Mrd. Euro |
| Invesco MSCI World | 0.19% | +0.05% | 4 Mrd. Euro |
Hinweis: Tracking Differences sind Durchschnittswerte und können variieren. Stand: 2026.
So finden Sie günstige ETFs
Mit diesen Strategien minimieren Sie Ihre ETF Kosten und maximieren Ihre Rendite.
Auf die Tracking Difference achten
Vergleichen Sie nicht nur die TER, sondern vor allem die Tracking Difference über 3-5 Jahre. Nutzen Sie Vergleichsportale wie trackingdifferences.com oder justETF.com.
Fondsvolumen beachten
Wählen Sie ETFs mit mindestens 100 Millionen Euro Volumen. Größere Fonds haben engere Spreads, niedrigere Schließungsrisiken und oft günstigere Kosten durch Skaleneffekte.
Kostenlose Sparpläne nutzen
Viele Neobroker bieten kostenlose ETF-Sparpläne an. Bei einer monatlichen Sparrate von 200 Euro sparen Sie so bereits 1-3 Euro pro Monat - das summiert sich über die Jahre.
Xetra statt Auslandsbörse
Kaufen Sie ETFs möglichst an der Xetra in Frankfurt. Hier sind die Spreads am engsten und Sie vermeiden Wechselkurskosten. Handeln Sie während der Haupthandelszeit (9:00-17:30 Uhr) für die besten Kurse.
Berechnen Sie Ihre ETF-Rendite
Mit unserem ETF-Sparplan-Rechner sehen Sie, wie sich unterschiedliche Kosten auf Ihr Vermögen auswirken.
Zum ETF-Sparplan-RechnerHäufige Fragen zu ETF Kosten
Was ist die TER bei ETFs und wie hoch sollte sie sein?
Die TER (Total Expense Ratio) ist die jährliche Gesamtkostenquote eines ETFs. Sie enthält Verwaltungsgebühren, Lizenzkosten und Depotbankgebühren. Für große Indizes wie den MSCI World sollte die TER unter 0,25% liegen. Die günstigsten ETFs haben eine TER von nur 0,07%. Bei einer Anlage von 10.000 Euro bedeutet eine TER von 0,20% jährliche Kosten von nur 20 Euro.
Warum ist die Tracking Difference wichtiger als die TER?
Die Tracking Difference zeigt die tatsächliche Abweichung vom Index - inklusive aller Kosten und Erträge. Ein ETF mit 0,20% TER kann durch Wertpapierleihe-Erträge eine Tracking Difference von nur 0,10% erreichen. Umgekehrt kann ein ETF mit niedriger TER durch ineffiziente Replikation schlechter abschneiden. Die Tracking Difference ist daher der ehrlichere Kostenindikator.
Welche versteckten Kosten gibt es bei ETFs?
Zu den versteckten Kosten zählen: Swap-Kosten bei synthetischen ETFs, Transaktionskosten beim Rebalancing, Wechselkurskosten bei Fremdwährungen, und der Spread beim Kauf und Verkauf. Diese Kosten sind nicht in der TER enthalten, beeinflussen aber die Rendite. Große, liquide ETFs haben in der Regel niedrigere versteckte Kosten.
Wie viel kosten mich ETFs bei einer Sparplan-Rate von 200 Euro?
Bei einer monatlichen Sparrate von 200 Euro in einen ETF mit 0,20% TER zahlen Sie im ersten Jahr etwa 2,40 Euro an laufenden Kosten. Bei vielen Neobrokern sind die Sparplan-Ausführungen kostenlos. Über 30 Jahre summieren sich die Kosten auf etwa 3.000-4.000 Euro - ein günstiger ETF mit 0,07% TER spart Ihnen davon rund 2.000 Euro.
Lohnt es sich, auf den günstigsten ETF zu wechseln?
Ein Wechsel lohnt sich meist nicht für kleine Kostenunterschiede. Bedenken Sie: Ein Verkauf löst Steuern aus (ca. 26% auf Gewinne), und die Neuanlage verursacht Transaktionskosten. Als Faustregel: Ein Wechsel kann sich lohnen, wenn Sie mindestens 0,30% TER sparen und noch viele Jahre Anlagehorizont haben. Besser: Neue Sparraten in den günstigeren ETF investieren.
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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten ETFs sind Beispiele und keine Kaufempfehlungen. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte informieren Sie sich umfassend und ziehen Sie bei Bedarf einen qualifizierten Finanzberater hinzu.