Rendite & Analyse

Mietrendite berechnen: So ermitteln Sie die wahre Rendite Ihrer Immobilie

Ob Bruttomietrendite, Nettomietrendite oder Eigenkapitalrendite - bei Immobilien gibt es viele Renditebegriffe. In diesem umfassenden Leitfaden lernen Sie alle wichtigen Formeln kennen, rechnen konkrete Beispiele durch und erfahren, welche Rendite in welcher Lage realistisch ist. Damit Sie fundierte Investitionsentscheidungen treffen können.

Lesezeit: ca. 12 MinutenAktualisiert: Januar 2026

Warum die richtige Renditeberechnung entscheidend ist

Die Mietrendite ist die wichtigste Kennzahl bei der Bewertung einer Immobilie als Kapitalanlage. Sie zeigt Ihnen, wie viel Ertrag Sie im Verhältnis zum eingesetzten Kapital erwarten können. Doch Vorsicht: Nicht jede Renditeangabe ist gleich aussagekräftig.

Ein Makler, der Ihnen eine "Bruttorendite von 5%" verspricht, verschweigt möglicherweise wichtige Kosten. Nach Abzug aller Aufwendungen kann die tatsächliche Rendite deutlich niedriger ausfallen - oder sogar negativ sein. Deshalb ist es essenziell, dass Sie selbst rechnen können.

Die wichtigsten Renditekennzahlen im Überblick

Bruttomietrendite

Schneller Überblick, aber wenig aussagekräftig

Nettomietrendite

Berücksichtigt alle laufenden Kosten

Eigenkapitalrendite

Rendite auf Ihr eingesetztes Kapital

Cashflow-Rendite

Was bleibt nach allen Ausgaben übrig?

1. Bruttomietrendite berechnen

Die Bruttomietrendite ist die einfachste Kennzahl zur schnellen Bewertung einer Immobilie. Sie setzt die jährlichen Mieteinnahmen ins Verhältnis zum Kaufpreis - ohne Berücksichtigung von Nebenkosten oder Aufwendungen.

Formel: Bruttomietrendite

Bruttomietrendite = (Jahreskaltmiete / Kaufpreis) x 100

Rechenbeispiel: Bruttomietrendite

Ausgangsdaten:

  • Kaufpreis der Wohnung: 200.000 Euro
  • Monatliche Kaltmiete: 800 Euro
  • Jahreskaltmiete: 800 x 12 = 9.600 Euro

Bruttomietrendite = (9.600 / 200.000) x 100 = 4,8%

Einschränkungen der Bruttomietrendite

Die Bruttomietrendite eignet sich nur für einen ersten, groben Vergleich verschiedener Objekte. Sie verschweigt Kaufnebenkosten (10-15%), laufende Kosten und das Leerstandsrisiko. Verlassen Sie sich niemals allein auf diese Kennzahl!

2. Nettomietrendite berechnen

Die Nettomietrendite ist die aussagekräftigere Kennzahl. Sie berücksichtigt sowohl die Kaufnebenkosten als auch die laufenden, nicht auf den Mieter umlegbaren Kosten. Erst diese Zahl zeigt Ihnen die tatsächliche Verzinsung Ihres Kapitals.

Formel: Nettomietrendite

Nettomietrendite = (Jahresreinertrag / Gesamtinvestition) x 100

Jahresreinertrag = Jahreskaltmiete - nicht umlegbare Kosten
Gesamtinvestition = Kaufpreis + Kaufnebenkosten

Rechenbeispiel: Nettomietrendite

Ausgangsdaten (wie oben):

  • Kaufpreis: 200.000 Euro
  • Jahreskaltmiete: 9.600 Euro

Kaufnebenkosten (ca. 12%):

  • Grunderwerbsteuer (6%): 12.000 Euro
  • Notar und Grundbuch (2%): 4.000 Euro
  • Makler (4%): 8.000 Euro
  • Summe Kaufnebenkosten: 24.000 Euro

Jährliche nicht umlegbare Kosten:

  • Instandhaltungsrücklage (1% v. Kaufpreis): 2.000 Euro
  • Verwaltungskosten: 300 Euro
  • Mietausfallwagnis (3% der Miete): 288 Euro
  • Nicht umlegbare Nebenkosten: 200 Euro
  • Summe laufende Kosten: 2.788 Euro

Berechnung:

  • Gesamtinvestition = 200.000 + 24.000 = 224.000 Euro
  • Jahresreinertrag = 9.600 - 2.788 = 6.812 Euro
  • Nettomietrendite = (6.812 / 224.000) x 100 = 3,04%

Vergleich: Brutto vs. Netto

Bruttomietrendite

4,80%

Ohne Kosten

Nettomietrendite

3,04%

Nach allen Kosten

Die tatsächliche Rendite liegt fast 2 Prozentpunkte unter der Bruttorendite!

3. Cashflow-Analyse: Was bleibt am Ende übrig?

Die Cashflow-Analyse zeigt Ihnen, wie viel Geld jeden Monat tatsächlich auf Ihrem Konto landet - nach Abzug aller Kosten inklusive der Finanzierung. Ein positiver Cashflow bedeutet: Die Immobilie trägt sich selbst und erwirtschaftet einen Überschuss.

Formel: Monatlicher Cashflow

Cashflow = Kaltmiete - Bewirtschaftungskosten - Kreditrate

Rechenbeispiel: Cashflow-Analyse

Ausgangsdaten (Fortsetzung):

  • Monatliche Kaltmiete: 800 Euro
  • Monatliche Bewirtschaftungskosten: 232 Euro (2.788 / 12)

Finanzierung (80% Fremdkapital):

  • Eigenkapital: 20% = 44.800 Euro (inkl. Kaufnebenkosten)
  • Darlehen: 179.200 Euro
  • Zinssatz: 3,5% p.a.
  • Tilgung: 2% p.a.
  • Monatliche Rate: ca. 822 Euro (Zins + Tilgung)

Monatlicher Cashflow:

  • Kaltmiete: + 800 Euro
  • Bewirtschaftungskosten: - 232 Euro
  • Kreditrate: - 822 Euro
  • Monatlicher Cashflow: - 254 Euro

Negativer Cashflow bedeutet Zuzahlung!

In diesem Beispiel müssen Sie monatlich 254 Euro aus eigener Tasche zuschießen. Das kann sinnvoll sein, wenn Sie auf Wertsteigerung setzen und die Zuzahlung verkraften können. Für viele Anleger ist jedoch ein positiver oder zumindest neutraler Cashflow wichtig.

So erreichen Sie einen positiven Cashflow

Mehr Eigenkapital einsetzen:

Weniger Fremdkapital = niedrigere Kreditrate

Höhere Mietrendite suchen:

B/C-Lagen bieten oft bessere Cashflow-Chancen

Niedrigere Tilgung wählen:

1% statt 2% - aber längere Laufzeit

Sondertilgung für Flexibilität:

Bei Überschüssen zusätzlich tilgen

4. Eigenkapitalrendite: Der Hebel-Effekt

Die Eigenkapitalrendite zeigt, wie viel Rendite Sie auf Ihr tatsächlich eingesetztes Eigenkapital erzielen. Durch den Leverage-Effekt (Hebelwirkung) der Fremdfinanzierung kann diese deutlich höher ausfallen als die Objektrendite - aber auch das Risiko steigt.

Formel: Eigenkapitalrendite

Eigenkapitalrendite = (Jahresreinertrag - Zinsen + Tilgung) / Eigenkapital x 100

Hinweis: Die Tilgung fließt in Ihr Vermögen (Schuldenabbau) und wird daher positiv gerechnet

Rechenbeispiel: Eigenkapitalrendite

Daten aus dem vorherigen Beispiel:

  • Eigenkapital eingesetzt: 44.800 Euro
  • Jahresreinertrag (vor Finanzierung): 6.812 Euro
  • Jährliche Zinsen: ca. 6.272 Euro (179.200 x 3,5%)
  • Jährliche Tilgung: ca. 3.584 Euro (179.200 x 2%)

Berechnung:

  • Vermögenszuwachs = 6.812 - 6.272 + 3.584 = 4.124 Euro
  • Eigenkapitalrendite = (4.124 / 44.800) x 100 = 9,2%

Positiver Leverage

Wenn die Objektrendite höher ist als die Kreditzinsen, steigt die Eigenkapitalrendite durch Fremdfinanzierung.

Beispiel: Objektrendite 5%, Zinsen 3,5% = positiver Spread von 1,5%

Negativer Leverage

Wenn die Kreditzinsen höher sind als die Objektrendite, sinkt die Eigenkapitalrendite durch Fremdfinanzierung.

Beispiel: Objektrendite 2,5%, Zinsen 3,5% = negativer Spread von -1%

5. Objektrendite vs. Eigenkapitalrendite: Der Vergleich

Beide Kennzahlen haben ihre Berechtigung und beantworten unterschiedliche Fragen:

KennzahlFragestellungVerwendung
Objektrendite
(Nettomietrendite)
Wie rentabel ist das Objekt an sich?Vergleich verschiedener Objekte, unabhängig von der Finanzierung
EigenkapitalrenditeWie rentabel ist mein eingesetztes Kapital?Vergleich mit anderen Anlageformen (Aktien, ETFs etc.)

Beispielvergleich: Dasselbe Objekt, verschiedene Finanzierungen

VarianteEK-QuoteObjektrenditeEK-RenditeCashflow mtl.
100% Eigenkapital100%3,04%3,04%+568 Euro
80% Fremdkapital20%3,04%9,2%-254 Euro
60% Fremdkapital40%3,04%6,8%+52 Euro

Die Objektrendite bleibt gleich, aber Eigenkapitalrendite und Cashflow ändern sich mit der Finanzierung.

6. Welche Rendite ist realistisch?

Die erreichbare Rendite hängt stark vom Standort und der Objektart ab. Grundsätzlich gilt: Je attraktiver die Lage, desto niedriger die Mietrendite - aber desto höher das Wertsteigerungspotenzial.

A-LageToplagen

2-3%

München, Hamburg, Frankfurt Innenstadt. Niedrige Rendite, aber hohe Wertsteigerung erwartet.

B-LageMittelstädte

4-6%

Regionale Zentren, gute Stadtteile. Ausgewogenes Verhältnis von Rendite und Sicherheit.

C-LageKleinstädte

6-8%

Ländliche Gebiete, strukturschwache Regionen. Hohe Rendite, aber mehr Risiko und Aufwand.

Standortabhängigkeit: Rendite vs. Sicherheit

Eine hohe Bruttorendite von 8% in einer C-Lage klingt verlockend - aber bedenken Sie:

  • Höheres Leerstandsrisiko bei wirtschaftlichem Abschwung
  • Schwierigere Mietersuche und längere Leerstandszeiten
  • Möglicherweise sinkende Immobilienwerte
  • Weniger liquider Markt beim Verkauf

Unsere Empfehlung: Für Einsteiger sind B-Lagen mit 4-6% Bruttorendite oft der beste Kompromiss zwischen Rendite und Sicherheit.

Berechnen Sie die Rendite Ihres Wunschobjekts

Unser kostenloser Rechner zeigt Ihnen alle wichtigen Kennzahlen auf einen Blick.

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7. Praxisbeispiel: Komplette Renditeberechnung

Zum Abschluss rechnen wir ein realistisches Beispiel komplett durch - von der Bruttomietrendite bis zur Eigenkapitalrendite.

Ausgangssituation: 3-Zimmer-Wohnung in Leipzig

Objektdaten:

  • Kaufpreis: 180.000 Euro
  • Wohnfläche: 75 m2
  • Baujahr: 1998 (saniert)
  • Aktuell vermietet: Ja
  • Monatliche Kaltmiete: 750 Euro

Kaufnebenkosten (Sachsen):

  • Grunderwerbsteuer (5,5%): 9.900 Euro
  • Notar + Grundbuch (2%): 3.600 Euro
  • Makler (3,57%): 6.426 Euro
  • Summe: 19.926 Euro
1

Bruttomietrendite

Jahreskaltmiete: 750 x 12 = 9.000 Euro

(9.000 / 180.000) x 100 = 5,0%

2

Nettomietrendite

Gesamtinvestition: 180.000 + 19.926 = 199.926 Euro

Jährliche Kosten:

  • Instandhaltung (1,0%): 1.800 Euro
  • Verwaltung: 350 Euro
  • Mietausfallwagnis (3%): 270 Euro
  • Nicht umlegbare NK: 180 Euro
  • Summe: 2.600 Euro

Jahresreinertrag: 9.000 - 2.600 = 6.400 Euro

(6.400 / 199.926) x 100 = 3,2%

3

Cashflow (mit 75% Finanzierung)

Eigenkapital: 49.982 Euro (25% von Gesamtinvestition)

Darlehen: 149.945 Euro

Kreditrate (3,8% Zins, 2% Tilgung): ca. 724 Euro/Monat

Cashflow: 750 - 217 - 724 = -191 Euro/Monat

4

Eigenkapitalrendite

Zinsen p.a.: ca. 5.698 Euro

Tilgung p.a.: ca. 2.999 Euro (Vermögensaufbau)

Vermögenszuwachs: 6.400 - 5.698 + 2.999 = 3.701 Euro

(3.701 / 49.982) x 100 = 7,4%

Zusammenfassung des Praxisbeispiels

Bruttomietrendite

5,0%

Nettomietrendite

3,2%

Cashflow mtl.

-191 Euro

EK-Rendite

7,4%

Fazit: Das Objekt erfordert eine monatliche Zuzahlung von 191 Euro, bietet aber eine solide Eigenkapitalrendite von 7,4%. Für Anleger, die die Zuzahlung als "Zwangssparen" betrachten und auf langfristige Wertsteigerung in Leipzig setzen, kann dies ein sinnvolles Investment sein.

Häufige Fragen zur Mietrendite

Was ist eine gute Mietrendite in Deutschland?

Eine gute Mietrendite liegt in Deutschland typischerweise zwischen 4 und 6 Prozent Bruttomietrendite. In Großstädten wie München, Hamburg oder Frankfurt sind oft nur 2-3% erreichbar, dafür ist das Wertsteigerungspotenzial höher. In B- und C-Lagen können 6-8% Bruttomietrendite realistisch sein. Die Nettomietrendite liegt nach Abzug aller Kosten meist 1-2 Prozentpunkte unter der Bruttomietrendite.

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettomietrendite?

Die Bruttomietrendite berücksichtigt nur die Jahreskaltmiete im Verhältnis zum Kaufpreis - sie ist schnell berechnet, aber wenig aussagekräftig. Die Nettomietrendite zieht zusätzlich alle nicht umlegbaren Nebenkosten ab: Instandhaltungsrücklagen, Verwaltungskosten, Leerstandsrisiko und nicht umlegbare Betriebskosten. Die Nettomietrendite zeigt die tatsächliche Rendite Ihres Investments.

Wie berechne ich die Eigenkapitalrendite bei Immobilien?

Die Eigenkapitalrendite berechnet sich als: (Jahresreinertrag - Zinsen) / eingesetztes Eigenkapital x 100. Sie zeigt, wie viel Rendite Sie auf Ihr tatsächlich eingesetztes Kapital erhalten. Durch den Leverage-Effekt (Hebelwirkung der Finanzierung) kann die Eigenkapitalrendite deutlich höher sein als die Objektrendite - aber auch das Risiko steigt entsprechend.

Welche Kosten muss ich bei der Nettomietrendite berücksichtigen?

Bei der Nettomietrendite sollten Sie folgende Kosten berücksichtigen: Instandhaltungsrücklagen (ca. 1% des Kaufpreises pro Jahr), Verwaltungskosten (ca. 200-400 Euro pro Einheit und Jahr), nicht umlegbare Nebenkosten, Mietausfallwagnis (ca. 2-5% der Jahreskaltmiete), und bei vermieteten Objekten ggf. Kosten für Mieterwechsel und Leerstand.

Wie wirken sich die Kaufnebenkosten auf die Rendite aus?

Die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) betragen je nach Bundesland 10-15% des Kaufpreises und sollten bei der Renditeberechnung zum Kaufpreis addiert werden. Ein Objekt für 200.000 Euro kostet mit Nebenkosten etwa 220.000-230.000 Euro. Dies senkt die effektive Bruttomietrendite um etwa 0,5-1 Prozentpunkte im Vergleich zur Berechnung ohne Nebenkosten.

Fazit: Die Mietrendite richtig berechnen

Die Bruttomietrendite eignet sich nur für einen ersten, groben Vergleich. Für eine fundierte Investitionsentscheidung sollten Sie immer die Nettomietrenditeberechnen, die alle Kosten berücksichtigt. Mit einer Cashflow-Analyse prüfen Sie, ob Sie monatlich zuschießen müssen. Und die Eigenkapitalrendite zeigt Ihnen, wie effizient Ihr eingesetztes Kapital arbeitet.

Eine realistische Bruttomietrendite in Deutschland liegt zwischen 4 und 6 Prozent. In Toplagen sind oft nur 2-3% erreichbar, in C-Lagen können es 6-8% sein. Entscheidend ist nicht nur die Rendite, sondern auch Ihre persönlichen Ziele, Ihre Risikobereitschaft und die langfristigen Perspektiven des Standorts.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Immobilien sind mit Risiken verbunden. Immobilienwerte können steigen oder fallen, und Mietausfälle können die Rendite erheblich schmälern. Bitte informieren Sie sich umfassend und ziehen Sie bei Bedarf einen qualifizierten Finanzberater oder Immobiliensachverständigen hinzu.

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