Warum Rohstoffe ins Portfolio gehören
Ein gut diversifiziertes Portfolio besteht nicht nur aus Aktien und Anleihen. Rohstoffe spielen eine wichtige Rolle als dritte Säule der Vermögensanlage. Sie bieten Eigenschaften, die weder Aktien noch Anleihen in dieser Form liefern können.
Der wichtigste Grund für Rohstoffe im Portfolio: Sie verhalten sich anders als traditionelle Anlageklassen. Während Aktien von Unternehmensgewinnen abhängen und Anleihen von Zinsentwicklungen, folgen Rohstoffpreise eigenen Gesetzen - Angebot und Nachfrage, geopolitischen Faktoren und realen wirtschaftlichen Bedürfnissen.
Die drei Hauptgründe für Rohstoffe
- Diversifikation: Geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen reduziert das Gesamtrisiko
- Inflationsschutz: Rohstoffpreise steigen tendenziell mit der Inflation
- Krisenabsicherung: Gold und andere Rohstoffe gelten als "sichere Häfen"
In einer Welt zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit, steigender Staatsverschuldung und geopolitischer Spannungen gewinnt die Absicherungsfunktion von Rohstoffen an Bedeutung. Ein Portfolio ohne Rohstoffe ist wie ein Haus ohne Versicherung - es mag lange gut gehen, aber im Ernstfall fehlt der Schutz.
Korrelation zu Aktien: Warum niedrig gut ist
Die Korrelation misst, wie stark zwei Anlageklassen sich gemeinsam bewegen. Eine Korrelation von +1 bedeutet perfekten Gleichlauf, -1 bedeutet genau entgegengesetzte Bewegung, und 0 bedeutet keine Beziehung. Für die Diversifikation gilt: Je niedriger die Korrelation, desto besser die Risikostreuung.
Historische Korrelationen zum MSCI World (10-Jahres-Durchschnitt)
Hinweis: Korrelationen können sich in Krisenzeiten vorübergehend erhöhen.
Die niedrige Korrelation von Gold (nahe null) macht es zum idealen Diversifikator. In vielen Börsenkrisen - 2008, 2020 - stieg Gold, während Aktien fielen. Das ist echter Portfolioschutz: Wenn ein Teil Ihres Vermögens leidet, federt ein anderer Teil die Verluste ab.
Wichtig zu verstehen
Die niedrige Korrelation bedeutet nicht, dass Rohstoffe immer steigen, wenn Aktien fallen. Sie bedeutet, dass beide Anlageklassen unabhängig voneinander reagieren. Langfristig führt diese Unabhängigkeit zu geringeren Schwankungen im Gesamtportfolio.
Der Diversifikationseffekt lässt sich mathematisch nachweisen: Ein Portfolio aus 80% Aktien und 20% Gold hatte in den letzten 20 Jahren eine um etwa 15% niedrigere Volatilität als ein reines Aktienportfolio - bei fast gleicher Rendite. Das ist die Magie der Korrelation: Weniger Risiko ohne Renditeverzicht. Mehr zur Risikosteuerung erfahren Sie in unserem Artikel zum Risikomanagement bei Aktien.
Inflationsschutz durch Rohstoffe
Inflation ist der schleichende Wertverlust Ihres Geldes. Bei einer Inflation von 3% pro Jahr verliert Ihr Bargeld in 24 Jahren die Hälfte seiner Kaufkraft. Rohstoffe bieten einen natürlichen Schutz, denn ihre Preise steigen tendenziell mit der allgemeinen Preisentwicklung.
Der Zusammenhang ist logisch: Die Inflationsrate wird anhand eines Warenkorbs berechnet, der viele rohstoffbasierte Produkte enthält - Energie, Nahrungsmittel, Industriegüter. Wenn diese Preise steigen, steigt die gemessene Inflation. Rohstoff-Investments profitieren direkt von diesen Preissteigerungen.
Rohstoffe mit gutem Inflationsschutz
- Gold: Klassischer Inflationsschutz seit Jahrtausenden
- Energie (Öl, Gas): Direkter Einfluss auf Verbraucherpreise
- Agrarrohstoffe: Teil des Nahrungsmittelpreisindex
- Industriemetalle: Steigen mit wirtschaftlicher Aktivität
Einschränkungen beachten
- Kurzfristig hohe Schwankungen möglich
- Kein perfekter Schutz in jedem Zeitraum
- Rollkosten bei Futures können Rendite mindern
- Deflation kann Rohstoffpreise drücken
Historischer Vergleich: Hohe Inflation in den 1970ern
Die 1970er Jahre waren geprägt von zweistelliger Inflation. Während Aktien und Anleihen real an Wert verloren, boten Rohstoffe einen echten Schutz:
Die goldenen Regeln: 5-15% Rohstoffe im Portfolio
Die Frage nach der optimalen Rohstoff-Gewichtung beschäftigt Anleger und Wissenschaftler gleichermaßen. Die meisten Experten empfehlen eine Bandbreite von 5-15% des Gesamtportfolios - aber warum genau dieser Bereich?
Mindestanteil für spürbare Wirkung
Unter 5% ist der Diversifikationseffekt kaum messbar. Ein 2%-Anteil Gold macht bei einem 30%-Kurssprung nur 0,6% Portfoliorendite aus - zu wenig, um echten Schutz zu bieten.
Der Sweetspot für die meisten Anleger
10% Rohstoffe bieten eine gute Balance zwischen Absicherung und Renditepotenzial. Die Diversifikationswirkung ist signifikant, ohne das Portfolio zu stark von Rohstoffschwankungen abhängig zu machen.
Obergrenze für Absicherungszwecke
Über 15% hinaus wird das Portfolio zunehmend von Rohstoffpreisen dominiert. Da Rohstoffe langfristig keine Erträge generieren (anders als Aktien oder Anleihen), kann ein zu hoher Anteil die Gesamtrendite belasten.
Empfehlung nach Anlegertyp
Fokus auf Gold als Krisenabsicherung
Gold plus breiter Rohstoff-ETF
Aktive Rohstoff-Allokation
Welche Rohstoffe zur Absicherung geeignet sind
Nicht alle Rohstoffe eignen sich gleich gut zur Portfolio-Absicherung. Die Auswahl hängt von Ihren Zielen ab: Suchen Sie primär Krisenschutz, Inflationsabsicherung oder breite Diversifikation?
Gold: Der Klassiker für Krisenzeiten
Gold ist seit Jahrtausenden der sichere Hafen schlechthin. In nahezu jeder großen Finanzkrise hat Gold seinen Wert behalten oder gesteigert - während andere Anlagen einbrachen. Mehr Details finden Sie in unserem Artikel zu Gold und Silber als Anlage.
Vorteile von Gold
- Höchste negative Korrelation zu Aktien in Krisenzeiten
- Währungsunabhängiger Wertspeicher
- Physisch hinterlegte ETCs bieten echte Sicherheit
- Nach 1 Jahr Haltefrist steuerfrei (physisch und ETCs in DE)
Breite Rohstoff-ETFs für umfassenden Schutz
Während Gold vor allem bei Finanzkrisen glänzt, bieten breite Rohstoff-ETFs Schutz vor verschiedenen Szenarien: Energiepreissteigerungen, Industriemetall-Engpässe, Agrarkrise. Eine ausführliche Analyse finden Sie in unserem Ratgeber zu Rohstoff-ETFs und ETCs.
Beliebte Rohstoff-Indizes im Vergleich
| Index | Gewichtung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Bloomberg Commodity | Diversifiziert | Maximale Diversifikation, keine Übergewichtung |
| S&P GSCI | Energie-lastig | Ca. 60% Energie, starker Inflationsschutz |
| DBIQ Optimum Yield | Roll-optimiert | Minimiert Rollkosten bei Futures |
| UBS CMCI | Breiter Fächerkurven | Investiert in verschiedene Futures-Laufzeiten |
Empfohlene Aufteilung innerhalb der Rohstoff-Quote
Muster-Allokation bei 10% Rohstoffe im Portfolio
Diese Aufteilung kombiniert die Krisensicherheit von Gold mit der breiteren Diversifikation eines Rohstoff-Index.
Rohstoffe im Permanent Portfolio
Das Permanent Portfolio, entwickelt von Harry Browne in den 1980er Jahren, ist eine der bekanntesten Strategien zur Vermögensabsicherung. Es setzt auf vier gleich gewichtete Anlageklassen, die sich in verschiedenen Wirtschaftsszenarien unterschiedlich verhalten.
Die vier Säulen des Permanent Portfolio
Die Idee dahinter: In jedem Wirtschaftsszenario profitiert mindestens eine Anlageklasse stark, während die anderen stabil bleiben oder nur moderat verlieren. Das Ergebnis ist ein Portfolio mit bemerkenswerter Stabilität.
Historische Performance des Permanent Portfolio
Hinweis: Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Das Permanent Portfolio ist besonders für Anleger geeignet, die maximale Stabilität suchen und bereit sind, dafür auf etwas Rendite zu verzichten. Der hohe Goldanteil von 25% ist für reine Absicherungszwecke angemessen, für ein wachstumsorientiertes Portfolio aber möglicherweise zu hoch.
Rebalancing-Strategie für Rohstoffe
Rebalancing bedeutet, Ihr Portfolio regelmäßig auf die ursprüngliche Zielallokation zurückzuführen. Bei Rohstoffen ist dies besonders wichtig, da ihre Preise stark schwanken können und das Portfolio sonst aus dem Gleichgewicht gerät.
Wann rebalancen?
Zeitbasiert
Fester Rhythmus, z.B. einmal jährlich zum Jahreswechsel oder quartalsweise.
- + Einfach umzusetzen
- + Wenig Aufwand
- - Kann günstige Zeitpunkte verpassen
Schwellenbasiert (empfohlen)
Rebalancing bei Abweichung von 3-5 Prozentpunkten von der Zielallokation.
- + Reagiert auf Marktbewegungen
- + Nutzt antizyklisches Handeln
- + Vermeidet unnötige Transaktionen
Beispiel: Schwellenbasiertes Rebalancing
Zielallokation: 10% Gold, Schwelle: 3 Prozentpunkte
Szenario: Goldpreis steigt stark
- Goldanteil steigt von 10% auf 14% des Portfolios
- Schwelle von 3 Prozentpunkten überschritten
- Aktion: Gold verkaufen, bis wieder 10% erreicht sind
Steuereffizientes Rebalancing
Beim Verkauf von Rohstoff-Positionen fallen Steuern an. Es gibt jedoch Wege, die Steuerlast zu minimieren:
- Zukäufe umleiten: Neue Sparraten in untergewichtete Positionen investieren, statt Gewinner zu verkaufen
- Sparerpauschbetrag nutzen: Bis 1.000 Euro Kapitalerträge pro Jahr sind steuerfrei (2.000 Euro für Ehepaare)
- Verlustverrechnung: Gewinne aus Rohstoffverkäufen mit realisierten Verlusten verrechnen
- Physisches Gold bevorzugen: Gewinne aus physischem Gold und bestimmten Gold-ETCs sind nach 1 Jahr Haltefrist steuerfrei
Kosten bei Rohstoff-Investments berücksichtigen
Rohstoff-Investments verursachen verschiedene Kosten, die Ihre Rendite schmälern. Anders als bei Aktien oder klassischen Anleihen-ETFs gibt es einige Besonderheiten zu beachten.
Kostenübersicht nach Anlageform
| Anlageform | Laufende Kosten | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Physisches Gold | 0,1-0,5% p.a. | Bankschließfach oder Heimlagerung, Spread beim Kauf |
| Gold-ETC (physisch) | 0,1-0,4% TER | Xetra-Gold: 0,0% TER, nur Spread |
| Breiter Rohstoff-ETF | 0,2-0,6% TER | Plus mögliche Rollkosten von 2-5% p.a. |
| Rohstoff-Aktien-ETF | 0,3-0,5% TER | Keine Rollkosten, aber Aktienrisiko |
Rollkosten verstehen
Die meisten Rohstoff-ETFs investieren nicht direkt in physische Rohstoffe, sondern in Futures-Kontrakte. Diese haben ein Verfallsdatum und müssen regelmäßig in neue Kontrakte umgeschichtet ("gerollt") werden. Dabei entstehen Kosten.
Contango vs. Backwardation
Contango (häufiger): Zukünftige Futures sind teurer als aktuelle. Beim Rollen entstehen Verluste, da Sie teuer kaufen und günstig verkaufen.
Backwardation (seltener): Zukünftige Futures sind günstiger. Beim Rollen entstehen Gewinne.
Kostenbewusste Produktauswahl
- Für Gold: Xetra-Gold (0,0% TER) oder physisch hinterlegte ETCs mit niedriger TER
- Für breite Rohstoffe: Roll-optimierte ETFs (DBIQ, UBS CMCI) können Rollkosten reduzieren
- Alternative: Rohstoff-Aktien-ETFs (z.B. Minenaktien) vermeiden Rollkosten komplett
Fazit: Rohstoffe als Portfolio-Versicherung
Rohstoffe gehören in jedes gut diversifizierte Portfolio. Mit einem Anteil von 5-15% profitieren Sie von ihrer niedrigen Korrelation zu Aktien, dem Inflationsschutz und der Krisensicherheit - insbesondere von Gold.
Die optimale Strategie: Kombinieren Sie einen Kern aus physisch hinterlegtem Gold (ca. 60-70% Ihrer Rohstoff-Quote) mit einem breit diversifizierten Rohstoff-ETF. Rebalancen Sie regelmäßig und achten Sie auf die Kosten, insbesondere versteckte Rollkosten bei Futures-basierten Produkten.
Häufige Fragen zu Rohstoffen im Portfolio
Wie viel Prozent meines Portfolios sollte in Rohstoffe fließen?
Die meisten Finanzexperten empfehlen einen Rohstoffanteil von 5-15% im Gesamtportfolio. Diese Bandbreite bietet ausreichend Diversifikationswirkung, ohne das Portfolio zu stark von der Rohstoffvolatilität abhängig zu machen. Konservative Anleger wählen eher 5-10%, während risikofreudigere Investoren bis zu 15% allokieren können. Der genaue Anteil hängt von Ihrer Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont und der aktuellen Marktlage ab.
Schützen Rohstoffe wirklich vor Inflation?
Historisch betrachtet bieten bestimmte Rohstoffe - insbesondere Gold und Energie - einen guten Inflationsschutz. Bei steigender Inflation erhöhen sich oft auch die Preise für Rohstoffe, da diese selbst Teil des Warenkorbs sind, der die Inflation misst. Allerdings ist der Schutz nicht perfekt: Kurzfristig können Rohstoffpreise stark schwanken und auch bei hoher Inflation fallen. Der beste Inflationsschutz entsteht durch eine breite Rohstoff-Allokation über verschiedene Kategorien hinweg.
Ist Gold oder ein breiter Rohstoff-ETF besser zur Absicherung?
Beide Ansätze haben ihre Berechtigung. Gold ist der klassische "sichere Hafen" und reagiert besonders stark auf Finanzkrisen und Währungsunsicherheiten. Breite Rohstoff-ETFs bieten dagegen Schutz vor verschiedenen Szenarien - Energiepreissteigerungen, Industriemetall-Knappheit, Agrarkrisen. Ideal ist eine Kombination: Gold als Kernposition (60-70% der Rohstoff-Allokation) plus ein diversifizierter Rohstoff-ETF für breiteren Schutz.
Wie oft sollte ich meine Rohstoff-Allokation rebalancen?
Ein jährliches Rebalancing ist für die meisten Anleger ausreichend. Alternativ können Sie eine Schwellenregel anwenden: Rebalancen Sie, wenn Ihre Rohstoff-Quote um mehr als 3-5 Prozentpunkte von der Zielallokation abweicht. Bei starken Marktbewegungen - etwa einem Goldpreisanstieg von 30% - kann häufigeres Rebalancing sinnvoll sein. Beachten Sie dabei die Transaktionskosten und steuerlichen Auswirkungen.
Welche Kosten entstehen bei Rohstoff-Investments?
Die Kosten variieren je nach Anlageform erheblich: Physisches Gold verursacht Lager- und Versicherungskosten (ca. 0,1-0,5% pro Jahr). Gold-ETCs haben eine TER von 0,1-0,4% jährlich. Breite Rohstoff-ETFs kosten 0,2-0,6% TER. Bei Futures-basierten Produkten können zusätzlich Rollkosten entstehen, die je nach Marktlage 2-5% pro Jahr betragen können. Diese versteckten Kosten sind ein wichtiger Faktor bei der Produktauswahl.
Weiterführende Artikel
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Rohstoff-Investments sind mit Risiken verbunden und können zu Verlusten führen. Bitte informieren Sie sich umfassend und ziehen Sie bei Bedarf einen qualifizierten Finanzberater hinzu.