Palladium
Palladium wird ueberwiegend in der Automobilindustrie fuer Benzin-Katalysatoren eingesetzt und ist stark von der industriellen Nachfrage abhaengig.
Steckbrief
Palladiumpreis (USD/oz)
Was ist Palladium?
Palladium (Pd) ist ein silberweisses Edelmetall aus der Platingruppe und gehört zu den seltensten Elementen der Erdkruste. Mit einer jährlichen Minenproduktion von nur etwa 210 Tonnen ist es vergleichbar selten wie Platin. Palladium wurde 1803 vom englischen Chemiker William Hyde Wollaston entdeckt und nach dem kurz zuvor entdeckten Asteroiden Pallas benannt. Heute ist Palladium eines der volatilsten und am staerksten industrieabhaengigen Edelmetalle, dessen Preis sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht und anschliessend wieder halbiert hat.
Die mit Abstand wichtigste Anwendung von Palladium sind Drei-Wege-Katalysatoren für Benzinfahrzeuge, die etwa 80% der Gesamtnachfrage ausmachen. Palladium katalysiert die Umwandlung von Kohlenmonoxid, Stickoxiden und unverbrannten Kohlenwasserstoffen in harmlose Substanzen wie Kohlendioxid, Stickstoff und Wasser. Im Vergleich zu Platin ist Palladium bei den höheren Abgastemperaturen von Benzinmotoren effizienter. Weitere Anwendungsgebiete sind die Elektronik (Mehrschicht-Keramikkondensatoren), die Dentalmedizin, die chemische Industrie und in geringerem Masse die Schmuckherstellung.
Die Preisentwicklung von Palladium war in den letzten Jahren extrem. Von unter 500 US-Dollar pro Unze im Jahr 2016 stieg der Preis auf ein Allzeithoch von über 3.400 US-Dollar im Maerz 2022, getrieben durch ein strukturelles Angebotsdefizit und Befuerchtungen über russische Lieferausfaelle nach dem Ukraine-Konflikt. Seitdem hat sich der Preis mehr als halbiert, da die EV-Transition die langfristigen Nachfrageaussichten eingetuebt hat und die Substitution durch Platin begonnen hat. Diese extreme Volatilität macht Palladium zu einem der riskantesten Edelmetall-Investments.
Für Anleger steht Palladium an einem Scheideweg: Die kurzfristige Nachfrage aus der Automobilindustrie bleibt robust, da Verbrennungsmotoren noch Jahrzehnte produziert werden, insbesondere in Schwellenlaendern. Gleichzeitig ist die langfristige Perspektive durch die Elektromobilitaet belastet. Neue Anwendungen in der Wasserstoffreinigung und -speicherung koennten einen Teil der ruecklaeufigen Katalysatornachfrage kompensieren, doch das Ausmass ist noch unklar. Diese fundamentale Unsicherheit spiegelt sich in der hohen Volatilität wider.
Angebot & Nachfrage
Die globale Palladiumnachfrage liegt bei etwa 10 Millionen Unzen pro Jahr, wobei die Automobilindustrie mit rund 80% den Markt dominiert. Die Elektronik macht etwa 8% aus, die chemische Industrie 5% und die Dentalmedizin sowie sonstige Anwendungen die restlichen 7%. Die Investmentnachfrage ist im Vergleich zu Gold und Silber minimal, da Palladium primaer als Industriemetall wahrgenommen wird. Die Schmucknachfrage ist vernachlaessigbar und auf wenige Maerkte wie China beschraenkt.
Auf der Angebotsseite ist der Markt extrem konzentriert: Russland (Norilsk Nickel) liefert etwa 40% des globalen Palladiums, Südafrika etwa 35%, und Nordamerika (vor allem Kanada mit der Stillwater-Mine) rund 10%. Der Rest verteilt sich auf Simbabwe und kleinere Produzenten. Palladium wird fast ausschließlich als Nebenprodukt bei der Förderung von Nickel (Russland) oder Platin (Südafrika) gewonnen, was bedeutet, dass die Produktion nicht gezielt gesteigert werden kann, selbst bei steigenden Preisen.
Das Recycling von Palladium aus Altkatalysatoren hat in den letzten Jahren stark zugenommen und traegt inzwischen rund 3-3,5 Millionen Unzen pro Jahr zum Angebot bei. Mit der zunehmenden Zahl an verschrotteten Fahrzeugen aus der Hochphase der Palladium-intensiven Katalysatoren wird das Recyclingangebot weiter steigen. Dies ist ein strukturell negativer Faktor für den Palladiumpreis, da das Recycling die Abhängigkeit von der primaeren Minenproduktion reduziert und zusaetzliches Angebot schafft, das unabhängig vom Preisniveau auf den Markt kommt.
Investitionsmoeglichkeiten
Physisches Palladium
Palladiumbarren (1oz bis 10oz) sind bei spezialisierten Edelmetallhaendlern erhaeltlich. Palladiummuenzen sind extrem selten und meist nur als Sammlerstuecke verfügbar. In Deutschland fallen 19% Mehrwertsteuer an. Die Aufgelder sind mit 15-25% deutlich höher als bei Gold oder Silber, da der Markt kleiner und weniger liquide ist. Physisches Palladium ist daher nur für Spezialisten geeignet.
Palladium-ETCs
WisdomTree Physical Palladium ETC (JE00B1VS3002) und Aberdeen Standard Physical Palladium Shares sind die gaengigsten boersengehandelten Palladiumprodukte. Kostenquoten liegen bei 0,4-0,5% p.a. Aufgrund der hohen Volatilität sind diese Produkte nur für erfahrene Anleger geeignet, die die besonderen Risiken des Palladiummarktes verstehen.
Minenaktien
Es gibt keine reinen Palladiumproduzenten an der Börse. Norilsk Nickel (Russland) ist der größte Produzent, jedoch für westliche Anleger schwer investierbar. Sibanye-Stillwater (Südafrika/USA) und Impala Platinum foerdern Palladium als Nebenprodukt. Die Stillwater-Mine in Montana ist die einzige US-amerikanische Palladiumquelle. Minenaktien bieten gehebelte, aber diversifizierte Exposure.
Basket-Produkte
Für Anleger, die das Einzelrisiko reduzieren möchten, bieten sich Edelmetall-Basket-ETCs an, die Gold, Silber, Platin und Palladium kombinieren. Der WisdomTree Physical Precious Metals ETC oder der Aberdeen Standard Physical Precious Metals Basket bieten breite Diversifikation über alle vier Edelmetalle und eignen sich als Basisinvestment im Rohstoffbereich.
SWOT-Analyse Palladium
Staerken
- +Unverzichtbar für Benzin-Katalysatoren aufgrund ueberlegener katalytischer Eigenschaften
- +Bedeutende Rolle in der Elektronik-, Dental- und Chemieindustrie
- +Begrenztes globales Angebot mit nur etwa 210 Tonnen jaehrlicher Minenproduktion
- +Hohe Eintrittsbarrieren für neue Minen sichern langfristige Angebotsknappheit
Schwaechen
- -Extreme Preisvolatilitaet mit historischen Schwankungen von über 70% in einzelnen Jahren
- -Starke Abhängigkeit von nur zwei Ländern: Russland (40%) und Südafrika (35%)
- -Nahezu vollständige Abhängigkeit von der Automobilindustrie als Hauptnachfrager
- -Geringe Marktliquiditaet und hohe Spreads erschweren den Handel für Privatanleger
Chancen
- Verschaerfung globaler Emissionsstandards in Schwellenlaendern erhöht die Katalysatornachfrage kurzfristig
- Recycling-Technologien koennten die Abhängigkeit von primaerer Minenproduktion verringern
- Neue Anwendungen in der Wasserstoffreinigung und Wasserstoffspeicherung
- Kurzfristige Angebotsengpaesse durch geopolitische Spannungen können Preissprunge ausloesen
Risiken
- Elektrifizierung des Verkehrs eliminiert langfristig den groessten Nachfragetreiber
- Substitution durch guenstigeres Platin in Benzin-Katalysatoren bereits im Gange
- Geopolitische Risiken durch Russland-Sanktionen können Handel und Lieferketten stoeren
- Rezykliertes Palladium aus Altkatalysatoren erhoet das verfügbare Angebot zunehmend
Unsere Einschätzung
Unsere Empfehlung: Verkaufen
Palladium erhält mit 2 von 5 Sternen eine Verkaufsempfehlung. Die fundamentale Ausgangslage hat sich deutlich verschlechtert: Die Elektrifizierung des Verkehrs bedroht den groessten Nachfragetreiber, die Substitution durch Platin ist im Gange, und das steigende Recyclingangebot drueckt auf den Preis. Die extreme Abhängigkeit von Russland und Südafrika birgt zusätzliche geopolitische Risiken. Zwar können kurzfristige Angebotsengpaesse zu Preissprungen führen, doch der strukturelle Trend ist negativ. Für bestehende Positionen empfehlen wir Gewinnmitnahmen. Neuengagements sind nur für erfahrene Spekulanten mit kurzfristigem Horizont und klarem Risikomanagement ratsam.
Häufig gestellte Fragen
Der Palladiumpreis ist von seinem Allzeithoch bei über 3.400 US-Dollar pro Unze im Maerz 2022 deutlich zurueckgegangen. Mehrere Faktoren haben dazu beigetragen: Die zunehmende Elektrifizierung des Automobilsektors reduziert die langfristige Nachfrage nach Katalysatoren. Die Substitution von Palladium durch guenstigeres Platin in Benzinkatalysatoren hat begonnen. Zudem haben sich die befuerchteten russischen Angebotsausfaelle nach dem Ukraine-Konflikt nicht in dem erwarteten Ausmass materialisiert. Das steigende Recycling von Altkatalysatoren hat das verfügbare Angebot zusätzlich erhöht.
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Keine Anlageberatung: Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Rohstoffen dar. Investitionen in Rohstoffe sind mit erheblichen Risiken verbunden und können zum Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Der Autor kann Positionen in den genannten Assets halten.