Was ist Value Investing?
Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der Sie systematisch nach Aktien suchen, die unter ihrem tatsächlichen (inneren) Wert gehandelt werden. Die Grundidee ist einfach: Kaufen Sie einen Euro für 70 Cent. Wenn der Markt den wahren Wert irgendwann erkennt, profitieren Sie von der Kurssteigerung.
Der Begriff wurde von Benjamin Graham geprägt, einem Professor an der Columbia University und Mentor von Warren Buffett. Grahams 1949 erschienenes Buch “The Intelligent Investor” gilt bis heute als Bibel des Value Investing. Buffett nannte es “das mit Abstand beste Buch über Investieren, das je geschrieben wurde”.
Value Investing auf einen Blick
Kaufen Sie Aktien von qualitativ hochwertigen Unternehmen, wenn der Marktpreis deutlich unter dem geschätzten inneren Wert liegt. Der Unterschied (Margin of Safety) schützt Sie vor Fehleinschätzungen und begrenzt Ihr Verlustrisiko.
Die Geschichte des Value Investing
Value Investing entstand in den 1930er Jahren als Reaktion auf den Börsencrash von 1929. Benjamin Graham und sein Partner David Dodd entwickelten einen systematischen Ansatz, um den wahren Wert von Unternehmen zu bestimmen - unabhängig von der Marktstimmung.
Benjamin Graham (1894-1976)
Der “Vater des Value Investing”. Graham lehrte an der Columbia University und entwickelte die Grundlagen der Fundamentalanalyse. Seine Bücher “Security Analysis” (1934) und “The Intelligent Investor” (1949) prägten Generationen von Investoren.
Warren Buffett (*1930)
Grahams berühmtester Schüler und erfolgreichster Investor aller Zeiten. Buffett erweiterte die Graham-Methode um den Fokus auf Qualitätsunternehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen (“Moats”). Sein Vermögen: über 130 Milliarden Dollar.
Die drei Grundprinzipien des Value Investing
Der Markt ist nicht immer effizient
Aktienkurse schwanken kurzfristig stärker als die zugrundeliegenden Unternehmenswerte. Diese Ineffizienzen schaffen Kaufgelegenheiten für geduldige Investoren.
Der innere Wert ist messbar
Durch Fundamentalanalyse können Sie den ungefähren Wert eines Unternehmens bestimmen. Dieser Wert basiert auf Gewinnen, Cashflows, Vermögenswerten und Wachstumspotenzial.
Margin of Safety schützt vor Fehlern
Kaufen Sie nur mit einem deutlichen Abschlag zum geschätzten Wert. Diese Sicherheitsmarge kompensiert Analysefehler und unvorhergesehene Entwicklungen.
Das Margin of Safety Konzept
Die Margin of Safety (Sicherheitsmarge) ist das Kernkonzept des Value Investing. Benjamin Graham verglich es mit dem Bau einer Brücke: Ein Ingenieur baut eine Brücke, die 30.000 Pfund tragen kann, selbst wenn nur 10.000 Pfund erwartet werden. Die 20.000 Pfund Unterschied sind die Sicherheitsmarge.
Praxisbeispiel: Margin of Safety
Angenommen, Sie analysieren ein Unternehmen und schätzen den inneren Wert auf 100 Euro pro Aktie. Die Aktie wird aktuell für 70 Euro gehandelt.
- Innerer Wert: 100 Euro
- Marktpreis: 70 Euro
- Margin of Safety: 30 Euro (30%)
Selbst wenn Ihre Schätzung um 20% zu optimistisch war (wahrer Wert: 80 Euro), machen Sie immer noch keinen Verlust. Das ist die Kraft der Sicherheitsmarge.
Unterbewertete Aktien erkennen
Wie finden Sie Aktien, die unter ihrem wahren Wert gehandelt werden? Der erste Schritt ist das Verständnis des Unterschieds zwischen Preis und Wert - zwei Begriffe, die oft verwechselt werden, aber grundverschieden sind.
Innerer Wert vs. Marktpreis
Der Marktpreis ist der aktuelle Börsenkurs - er spiegelt wider, was die Masse der Anleger bereit ist, für eine Aktie zu zahlen. Der innere Wert(intrinsischer Wert) ist der tatsächliche wirtschaftliche Wert des Unternehmens, basierend auf seinen Fundamentaldaten.
“Kurzfristig ist der Markt eine Abstimmungsmaschine, langfristig eine Waage.”
- Benjamin Graham
Graham erkannte, dass der Markt kurzfristig von Emotionen, Nachrichten und Trends getrieben wird. Langfristig jedoch spiegelt der Kurs den wahren Unternehmenswert wider. Value Investoren nutzen die kurzfristigen Übertreibungen, um günstig einzukaufen.
Wichtige Kennzahlen für Value Investoren
Kurs-Gewinn-Verhältnis
Aktienkurs geteilt durch Gewinn pro Aktie. Zeigt, wie viele Jahre es dauert, bis der Gewinn den Kaufpreis wieder eingespielt hat.
Value-Bereich: Unter 15 (marktabhängig)
Kurs-Buchwert-Verhältnis
Aktienkurs geteilt durch Buchwert pro Aktie. Ein KBV unter 1 bedeutet: Sie zahlen weniger als die Substanz des Unternehmens wert ist.
Value-Bereich: Unter 1,5
Kurs-Cashflow-Verhältnis
Aktienkurs geteilt durch operativen Cashflow pro Aktie. Weniger manipulierbar als der Gewinn, daher oft aussagekräftiger.
Value-Bereich: Unter 10
Dividendenrendite
Jährliche Dividende geteilt durch Aktienkurs. Eine hohe Dividendenrendite kann auf Unterbewertung hindeuten - aber prüfen Sie die Nachhaltigkeit.
Value-Bereich: Über 3% (bei stabilen Unternehmen)
Wichtiger Hinweis zu Kennzahlen
Niedrige Kennzahlen allein machen noch keine gute Investition. Manchmal sind Aktien aus gutem Grund billig (“Value Traps”). Prüfen Sie immer auch die qualitativen Faktoren wie Geschäftsmodell, Management und Wettbewerbsposition.
Der wirtschaftliche Burggraben (Moat)
Warren Buffett hat das Konzept des “Moat” (Burggraben) populär gemacht. Ein Moat ist ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil, der ein Unternehmen vor Konkurrenten schützt - wie ein Burggraben eine mittelalterliche Burg. Je breiter und tiefer der Graben, desto wertvoller das Unternehmen.
Markenmoat
Starke Marken wie Coca-Cola, Apple oder LVMH können Premiumpreise verlangen. Kunden zahlen mehr für den Markennamen - ein Vorteil, der Jahrzehnte hält.
Netzwerkeffekte
Je mehr Nutzer ein Produkt hat, desto wertvoller wird es für alle. Facebook, Visa und Microsoft profitieren von diesem selbstverstärkenden Effekt.
Kostenvorteile
Unternehmen mit strukturell niedrigeren Kosten können Konkurrenten unterbieten und trotzdem profitabel bleiben. Beispiele: Walmart, Costco, ALDI.
Wechselkosten
Wenn der Wechsel zur Konkurrenz teuer oder aufwändig ist, bleiben Kunden loyal. SAP, Oracle und viele B2B-Softwareanbieter profitieren davon.
Die Value Investing Checkliste
Bevor Sie eine Aktie kaufen, sollten Sie diese systematisch analysieren. Die folgende Checkliste fasst die wichtigsten Kriterien zusammen, die eine Value-Aktie erfüllen sollte. Nicht jedes Kriterium muss perfekt erfüllt sein, aber je mehr grüne Haken, desto besser.
10 Kriterien für Value Aktien
Niedriges KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)
hochUnter 15, idealerweise unter dem Branchendurchschnitt
Niedriges KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis)
hochUnter 1,5 - zeigt, dass Sie weniger als den Substanzwert zahlen
Hohe Eigenkapitalrendite (ROE)
hochÜber 15% - zeigt effiziente Kapitalnutzung
Stabile oder steigende Dividende
mittelDividendenkontinuität über mindestens 10 Jahre
Niedrige Verschuldung
hochEigenkapitalquote über 30%, Schulden/EBITDA unter 3
Wettbewerbsvorteil (Moat)
kritischMarke, Patente, Netzwerkeffekte oder Kostenführerschaft
Verständliches Geschäftsmodell
kritischSie können erklären, wie das Unternehmen Geld verdient
Kompetentes Management
hochEigentümer-orientiert, langfristige Strategien, gute Kapitalallokation
Langfristige Gewinnhistorie
hochMindestens 10 Jahre profitabel, stabile Margen
Margin of Safety
kritischMindestens 25-30% Abschlag zum geschätzten inneren Wert
Praxisbeispiel: Value-Analyse
Stellen Sie sich vor, Sie analysieren ein deutsches Industrieunternehmen:
Quantitative Analyse
- KGV: 12 (Branche: 18) OK
- KBV: 1,2 OK
- ROE: 18% OK
- Dividendenrendite: 3,5% OK
- Eigenkapitalquote: 45% OK
Qualitative Analyse
- Marktführer im Nischenmarkt OK
- CEO seit 15 Jahren im Amt OK
- Patente und Technologievorsprung OK
- Zyklisches Geschäft Risiko
- Abhängig von Autobranche Risiko
Fazit: Die Kennzahlen sind attraktiv und das Unternehmen hat einen Moat (Technologie, Marktposition). Die Risiken (Zyklizität, Abhängigkeit) erklären den niedrigen Preis. Bei ausreichender Margin of Safety (25-30%) könnte dies eine Value-Chance sein.
Berechnen Sie wichtige Kennzahlen selbst:Zum Aktien-Bewertungs-Rechner
Value Investing vs. Growth Investing
Value Investing und Growth Investing sind zwei unterschiedliche Philosophien, die oft als Gegensätze dargestellt werden. In Wahrheit können beide Strategien erfolgreich sein - und manche der besten Investoren kombinieren sie.
| Kriterium | Value Investing | Growth Investing |
|---|---|---|
| Fokus | Unterbewertete, reife Unternehmen | Schnell wachsende Unternehmen |
| Typisches KGV | Unter 15 | Über 25 (oft 50+) |
| Dividenden | Meist hohe, stabile Dividenden | Keine oder geringe Dividenden |
| Gewinnwachstum | Moderat (5-10% p.a.) | Hoch (20%+ p.a.) |
| Risikoprofil | Eher defensiv | Eher aggressiv |
| Renditetreiber | Bewertungsanpassung + Dividende | Gewinnwachstum |
| Bekannte Vertreter | Warren Buffett, Benjamin Graham | Cathie Wood, Peter Lynch |
| Beispielaktien | Coca-Cola, J&J, BASF | Tesla, Amazon, Nvidia |
Wann funktioniert welche Strategie?
Value funktioniert besser bei:
- Steigenden Zinsen
- Wirtschaftlicher Erholung nach Rezession
- Hoher Inflation
- Marktphasen nach spekulativen Blasen
Growth funktioniert besser bei:
- Niedrigen oder fallenden Zinsen
- Technologischen Umbrüchen
- Starkem Wirtschaftswachstum
- Langfristigen Bullenmärkten
Historisch haben Value und Growth über lange Zeiträume ähnliche Renditen erzielt, allerdings mit unterschiedlichen Schwankungen. Die 2010er Jahre waren eine Dekade für Growth-Aktien. Seit 2022 erleben wir eine Rückkehr zu Value. Kluge Anleger diversifizieren über beide Stile oder wählen den Ansatz, der zu ihrer Persönlichkeit passt.
Warren Buffetts wichtigste Regeln
Warren Buffett ist nicht nur der erfolgreichste Investor aller Zeiten, sondern auch ein brillanter Kommunikator. Seine jährlichen Briefe an die Aktionäre von Berkshire Hathaway sind Pflichtlektüre für jeden Value-Investor. Hier sind seine wichtigsten Weisheiten.
“Rule No. 1: Never lose money. Rule No. 2: Never forget Rule No. 1.”
Buffetts berühmteste Regel betont den Kapitalerhalt. Er sucht nach Investments mit begrenztem Verlustpotenzial (“Downside Protection”). Lieber eine gute Gelegenheit verpassen als Geld verlieren. Ein Verlust von 50% erfordert einen Gewinn von 100%, nur um wieder auf null zu kommen.
Circle of Competence (Kompetenzkreis)
Buffett investiert nur in Unternehmen, die er vollständig versteht. Er hat Technologie- Aktien lange gemieden, weil er sie nicht verstand. Besser wenige Dinge wirklich verstehen als viele oberflächlich.
“Investiere niemals in ein Geschäft, das du nicht verstehst.”
Mr. Market - Die Börsen-Allegorie
Benjamin Graham erfand “Mr. Market” - einen fiktiven Geschäftspartner, der Ihnen täglich anbietet, Ihren Unternehmensanteil zu kaufen oder zu verkaufen. Manchmal ist Mr. Market euphorisch und bietet Fantasiepreise, manchmal depressiv und verschenkt Aktien fast.
“Mr. Market ist da, um Ihnen zu dienen, nicht um Sie zu leiten. Seine Tasche ist nützlich, sein Verstand nicht.”
Geduld ist die wichtigste Tugend
Buffett hält Aktien oft jahrzehntelang. Seine Lieblingshaltedauer? “Für immer.” Die meisten Anleger handeln zu viel und vernichten damit Rendite durch Gebühren und Steuern.
“Die Börse ist ein Gerät zur Übertragung von Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen.”
Sei gierig, wenn andere ängstlich sind
Buffetts konträrer Ansatz: Kaufen Sie, wenn der Markt in Panik verfällt, und verkaufen Sie, wenn alle euphorisch sind. Seine größten Deals machte er in Krisenzeiten.
“Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.”
Value Investing in der Praxis
Genug Theorie - wie setzen Sie Value Investing konkret um? Hier ist eine Schritt-für-Schritt Anleitung für Ihren eigenen Value-Investing-Prozess.
Screening: Kandidaten finden
Nutzen Sie Aktienscreener, um Aktien mit niedrigem KGV, niedrigem KBV und hoher Dividendenrendite zu filtern. Kostenlose Tools: Yahoo Finance, finviz.com, onvista.de. Diese erste Liste ist nur ein Ausgangspunkt - nicht jede optisch günstige Aktie ist ein gutes Investment.
Qualitative Analyse: Geschäftsmodell verstehen
Lesen Sie den Geschäftsbericht, verstehen Sie das Geschäftsmodell. Fragen Sie sich: Wie verdient das Unternehmen Geld? Warum kaufen Kunden hier und nicht bei der Konkurrenz? Kann ich das Geschäft in einem Satz erklären? Wenn nicht, liegt es außerhalb Ihres Kompetenzkreises.
Moat-Analyse: Wettbewerbsvorteile prüfen
Hat das Unternehmen einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil? Überprüfen Sie Margen über Zeit (stabil = gutes Zeichen), Marktanteil, Kundenbindung und Eintrittsbarrieren für Konkurrenten. Ein Unternehmen ohne Moat ist langfristig kein Value-Investment.
Bewertung: Inneren Wert schätzen
Berechnen Sie den inneren Wert mit verschiedenen Methoden: Discounted Cashflow (DCF), Vergleich mit ähnlichen Unternehmen, Bewertung der Vermögenswerte. Nutzen Sie konservative Annahmen. Lieber zu pessimistisch als zu optimistisch.
Margin of Safety: Kaufpreis bestimmen
Kaufen Sie nur mit einem Abschlag von mindestens 25-30% zum geschätzten inneren Wert. Wenn der innere Wert 100 Euro beträgt, kaufen Sie erst unter 70-75 Euro. Ist der aktuelle Kurs höher? Dann auf die Watchlist und warten.
Portfolio: Position dimensionieren
Investieren Sie nicht mehr als 5-10% Ihres Portfolios in eine einzelne Aktie. Bei sehr hoher Überzeugung maximal 15%. Halten Sie 10-20 verschiedene Positionen für ausreichende Diversifikation.
Halten: Geduld bewahren
Planen Sie, Ihre Aktien mindestens 3-5 Jahre zu halten. Ignorieren Sie kurzfristige Kursschwankungen. Verkaufen Sie nur, wenn: (a) der Kurs den fairen Wert deutlich übersteigt, (b) sich die Fundamentaldaten verschlechtern, oder (c) Sie eine deutlich bessere Alternative finden.
Tools und Ressourcen für Value Investoren
Kostenlose Tools
- Yahoo Finance: Kennzahlen, Finanzdaten, Screener
- onvista.de: Deutscher Fokus, gute Fundamentaldaten
- finviz.com: Mächtiger Aktienscreener (US-Aktien)
- TIKR.com: Detaillierte Finanzdaten (Freemium)
Empfohlene Bücher
- The Intelligent Investor - Benjamin Graham
- Berkshire Hathaway Letters - Warren Buffett
- Common Stocks and Uncommon Profits - Philip Fisher
- The Little Book of Value Investing - Christopher Browne
Kritik und Grenzen von Value Investing
Value Investing ist keine Wunderwaffe. Wie jede Strategie hat sie Schwächen und Grenzen, die Sie kennen sollten - gerade wenn Sie sich für diesen Ansatz entscheiden.
Value Traps: Günstig aus gutem Grund
Manchmal ist eine Aktie nicht unterbewertet, sondern einfach schlecht. Unternehmen mit strukturellen Problemen, schlechtem Management oder veralteten Geschäftsmodellen können “ewig günstig” bleiben. Der Kodak-Fall zeigt: Niedriges KGV allein schützt nicht vor Totalverlust.
Lange Durststrecken möglich
Value Investing kann über Jahre hinter dem Markt zurückbleiben. Von 2009 bis 2020 performten Growth-Aktien deutlich besser. Wer 2015 auf Value setzte, brauchte starke Nerven - und Geduld bis 2022, als sich das Blatt wendete.
Hoher Zeitaufwand
Echtes Value Investing erfordert gründliche Unternehmensanalyse. Geschäftsberichte lesen, Wettbewerber verstehen, Kennzahlen berechnen - das kostet Zeit. Für die meisten Privatanleger ist ein breit gestreuter ETF effizienter.
Veränderte Marktbedingungen
In einer Welt mit niedrigen Zinsen und dominanten Tech-Plattformen funktionieren traditionelle Value-Kennzahlen nicht mehr so gut. Ein Software-Unternehmen kann mit KGV 50 günstiger sein als ein Industriekonzern mit KGV 10 - wenn das Wachstum stimmt.
Psychologische Herausforderungen
Gegen die Masse zu investieren erfordert mentale Stärke. Wenn alle verkaufen, fühlt sich Kaufen falsch an. Wenn Ihre Value-Aktien fallen, während Tech-Aktien steigen, ist es schwer, an der Strategie festzuhalten.
Fazit zu den Grenzen
Value Investing funktioniert - aber nicht immer und nicht für jeden. Wenn Sie die Zeit und das Interesse haben, Unternehmen gründlich zu analysieren, und die Geduld, jahrelang gegen den Strom zu schwimmen, kann Value Investing sehr profitabel sein. Für die meisten Anleger ist ein diversifizierter Index-ETF jedoch der einfachere und oft bessere Weg.
Häufige Fragen zu Value Investing
Was ist Value Investing einfach erklärt?
Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der Sie Aktien kaufen, die unter ihrem tatsächlichen Wert gehandelt werden. Die Idee: Wenn eine Aktie 100 Euro wert ist, aber nur für 70 Euro gehandelt wird, haben Sie eine Sicherheitsmarge von 30 Euro. Warren Buffett hat diese Strategie perfektioniert und damit über 100 Milliarden Dollar Vermögen aufgebaut.
Wie finde ich unterbewertete Aktien?
Unterbewertete Aktien erkennen Sie an mehreren Kennzahlen: Ein niedriges KGV (unter 15), ein KBV unter 1,5 und eine hohe Eigenkapitalrendite (über 15%) sind gute Indikatoren. Wichtiger als einzelne Kennzahlen ist jedoch das Verständnis des Geschäftsmodells. Suchen Sie nach Unternehmen mit starken Wettbewerbsvorteilen (Moat), die vorübergehend unpopulär sind.
Ist Value Investing noch zeitgemäß?
Value Investing hat in den 2010er Jahren hinter Growth-Aktien zurückgelegen, doch die Strategie bleibt langfristig erfolgreich. Seit 2022 erleben Value-Aktien eine Renaissance. Die Grundprinzipien - unterbewertete Qualitätsunternehmen kaufen und langfristig halten - sind zeitlos und haben über Jahrzehnte funktioniert.
Was ist der Unterschied zwischen Value und Growth Investing?
Value Investoren kaufen etablierte Unternehmen, die unterbewertet erscheinen (niedriges KGV, hohe Dividende). Growth Investoren setzen auf schnell wachsende Unternehmen mit hohem Potenzial (hohes KGV, kaum Dividende). Value ist defensive und auf Substanz ausgerichtet, Growth ist offensiver und setzt auf Zukunftspotenzial. Beide Strategien können langfristig erfolgreich sein.
Wie viel Geld brauche ich für Value Investing?
Theoretisch können Sie mit jedem Betrag beginnen, doch für eine sinnvolle Diversifikation über mehrere Einzelaktien empfehlen sich mindestens 5.000 bis 10.000 Euro. Alternativ können Sie mit Value-ETFs starten, die schon ab 25 Euro monatlich per Sparplan bespart werden können. So profitieren Sie vom Value-Ansatz ohne große Einstiegssumme.
Fazit: Value Investing für geduldige Anleger
Value Investing ist mehr als eine Strategie - es ist eine Philosophie. Der Ansatz, qualitativ hochwertige Unternehmen zu fairen Preisen zu kaufen und langfristig zu halten, hat Warren Buffett zum erfolgreichsten Investor aller Zeiten gemacht.
Die Kernprinzipien sind zeitlos: Verstehen Sie, was Sie kaufen. Zahlen Sie nicht zu viel. Haben Sie Geduld. Schützen Sie Ihr Kapital. Diese Regeln gelten für Anfänger wie für Profis.
Wenn Sie bereit sind, Zeit in die Analyse zu investieren und gegen die Masse zu schwimmen, kann Value Investing sehr profitabel sein. Für alle anderen bleibt der breit gestreute ETF die solide Alternative - auch Warren Buffett empfiehlt ihn für die meisten Anleger.
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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Bitte informieren Sie sich umfassend und ziehen Sie bei Bedarf einen qualifizierten Finanzberater hinzu.