Was ist die gesetzliche Rente?
Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) ist das wichtigste System der Altersvorsorge in Deutschland. Sie ist Teil der Sozialversicherung und funktioniert nach dem Umlageverfahren: Die aktuell Beschäftigten finanzieren mit ihren Beiträgen die Renten der heutigen Rentner. Im Gegenzug erwerben sie selbst Ansprüche für ihre spätere Rente.
Das Umlageverfahren - Generationenvertrag
Anders als bei einer privaten Rentenversicherung wird bei der gesetzlichen Rente kein Kapital angespart. Ihr heutiger Beitrag finanziert die Rente Ihrer Eltern und Großeltern. Ihre spätere Rente zahlen Ihre Kinder und deren Generation. Dieses System nennt man Generationenvertrag.
Die Deutsche Rentenversicherung (DRV)
Die Deutsche Rentenversicherung ist der Träger der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie besteht aus mehreren regionalen Trägern (z.B. DRV Bund, DRV Bayern Süd) und ist für etwa 57 Millionen Versicherte und über 21 Millionen Rentner zuständig.
Die DRV kümmert sich nicht nur um Ihre Altersrente, sondern auch um:
- 1Rehabilitation: Medizinische und berufliche Maßnahmen zur Wiederherstellung Ihrer Arbeitsfähigkeit
- 2Erwerbsminderungsrente: Absicherung bei Krankheit oder Behinderung, die das Arbeiten unmöglich macht
- 3Hinterbliebenenrente: Absicherung von Ehepartnern und Kindern nach dem Tod eines Versicherten
Wer ist pflichtversichert?
Die meisten Arbeitnehmer in Deutschland sind automatisch pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt 2026 insgesamt 18,6% des Bruttogehalts - je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen.
Pflichtversichert
- Arbeitnehmer
- Auszubildende
- Personen in Elternzeit
- Pflegende Angehörige (ab Pflegegrad 2)
- Bestimmte Selbstständige (z.B. Handwerker, Künstler)
Nicht pflichtversichert
- Die meisten Selbstständigen
- Beamte (eigene Versorgung)
- Freiberufler mit Versorgungswerk
- Geringfügig Beschäftigte (Opt-out möglich)
- Minijobber unter 538 EUR (Befreiung möglich)
Freiwillige Versicherung
Auch wenn Sie nicht pflichtversichert sind, können Sie sich freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern. Der Mindestbeitrag liegt bei ca. 96 Euro monatlich (2026). Dies kann sinnvoll sein, um Wartezeiten zu erfüllen oder Rentenansprüche aufzubauen.
Die Rentenformel: So wird Ihre Rente berechnet
Die Berechnung Ihrer gesetzlichen Rente folgt einer klaren Formel. Wenn Sie diese verstehen, können Sie Ihre zukünftige Rente selbst abschätzen und gezielt optimieren.
Die Rentenformel
Rente = EP x ZF x RAF x aRW
1. Entgeltpunkte (EP) - Ihre Rentenpunkte
Entgeltpunkte (umgangssprachlich Rentenpunkte) sind das Herzstück der Rentenberechnung. Sie sammeln Punkte für jedes Jahr, in dem Sie Beiträge zahlen. Die Anzahl der Punkte hängt von Ihrem Verdienst im Verhältnis zum Durchschnittsverdienst aller Versicherten ab.
| Jahresverdienst (brutto) | Verhältnis zum Durchschnitt | Rentenpunkte/Jahr |
|---|---|---|
| 22.679 EUR | 50% des Durchschnitts | 0,5 Punkte |
| 45.358 EUR (Durchschnitt 2026) | 100% des Durchschnitts | 1,0 Punkt |
| 68.037 EUR | 150% des Durchschnitts | 1,5 Punkte |
| 90.600 EUR (BBG West) | ca. 200% des Durchschnitts | ~2,0 Punkte (Maximum) |
Beitragsbemessungsgrenze (BBG)
Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze (2026: 90.600 EUR West / 89.400 EUR Ost) ist nicht rentenversicherungspflichtig. Sie zahlen auf diesen Teil keine Beiträge und erwerben keine weiteren Rentenpunkte. Gutverdiener erreichen daher maximal etwa 2 Rentenpunkte pro Jahr.
2. Zugangsfaktor (ZF) - Wann Sie in Rente gehen
Der Zugangsfaktor berücksichtigt, wann Sie in Rente gehen. Gehen Sie früher als die Regelaltersgrenze (67 Jahre), wird Ihre Rente dauerhaft gekürzt. Gehen Sie später, erhalten Sie Zuschläge.
Vorzeitiger Renteneintritt
Pro Monat vor 67: -0,3%
Bei 4 Jahren früher (63): 14,4% weniger Rente - lebenslang
Regulärer Renteneintritt
Mit 67 Jahren: Faktor 1,0
Volle Rente ohne Abzüge oder Zuschläge
Späterer Renteneintritt
Pro Monat nach 67: +0,5%
Bei 1 Jahr später (68): 6% mehr Rente - lebenslang
3. Rentenartfaktor (RAF) - Welche Rente Sie beziehen
Je nach Rentenart gibt es unterschiedliche Faktoren:
- 1,0Altersrente: Voller Rentenartfaktor
- 1,0Volle Erwerbsminderungsrente: Wie Altersrente
- 0,5Teilweise Erwerbsminderungsrente: Halber Faktor
- 0,55Große Witwenrente: 55% (neues Recht)
- 0,25Kleine Witwenrente: 25%
4. Aktueller Rentenwert (aRW)
Der aktuelle Rentenwert gibt an, wie viel ein Rentenpunkt in Euro wert ist. Er wird jährlich zum 1. Juli angepasst und orientiert sich an der Lohnentwicklung. 2026 beträgt der aktuelle Rentenwert 39,32 Euro.
Entwicklung des Rentenwerts
34,19 EUR
2022
37,60 EUR
2024
38,47 EUR
2025
39,32 EUR
2026
Rechenbeispiel: So berechnen Sie Ihre Rente
Sehen wir uns die Rentenberechnung an einem konkreten Beispiel an:
Beispiel: Durchschnittsverdiener mit 45 Beitragsjahren
Berechnung:
45 x 1,0 x 1,0 x 39,32 EUR = 1.769,40 EUR
Brutto-Monatsrente
Wichtig: Brutto ist nicht Netto!
Von Ihrer Bruttorente werden noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (ca. 11%) abgezogen. Bei einer Bruttorente von 1.769 EUR bleiben also etwa 1.575 EUR netto übrig. Hinzu kommen eventuell Steuern, wenn Ihre Gesamteinkünfte den Grundfreibetrag übersteigen.
Weiteres Beispiel: Früher Renteneintritt mit 63
Gleicher Verdiener, aber 4 Jahre früher in Rente
Berechnung:
41 x 0,856 x 1,0 x 39,32 EUR = 1.380,30 EUR
389 EUR weniger pro Monat - lebenslang!
Rentenpunkte sammeln: So erhöhen Sie Ihre Rente
Neben dem regulären Arbeitsverdienst gibt es weitere Möglichkeiten, Rentenpunkte zu sammeln. Diese Zeiten werden Ihrem Rentenkonto gutgeschrieben:
Beschäftigungszeiten
Ihre reguläre Arbeit als Angestellter. Je höher Ihr Verdienst (bis zur BBG), desto mehr Punkte. Auch Minijobs zählen, wenn Sie nicht auf die Versicherungspflicht verzichten.
Ausbildungszeiten
Schul- und Studienzeiten ab dem 17. Lebensjahr werden als beitragsfreie Zeiten anerkannt. Sie erhöhen zwar nicht direkt Ihre Rentenpunkte, aber Ihre Gesamtversicherungszeit.
Kindererziehungszeiten
Für jedes Kind erhalten Sie ca. 3 Rentenpunkte (für Geburten ab 1992). Das entspricht etwa 118 EUR mehr Rente pro Monat - pro Kind! Bei älteren Kindern (vor 1992 geboren) sind es etwa 2,5 Punkte (Mütterrente).
Pflegezeiten
Wenn Sie Angehörige pflegen (ab Pflegegrad 2), zahlt die Pflegekasse Rentenbeiträge für Sie. Je nach Pflegegrad und Aufwand können das bis zu 0,92 Rentenpunkte pro Jahr sein.
Freiwillige Beiträge
Sie können freiwillig zusätzliche Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen. Besonders interessant: Ausgleichszahlungen für frühen Renteneintritt oder Nachzahlungen für Ausbildungszeiten.
Berechnen Sie Ihre persönliche Rentenlücke und wie viel Sie zusätzlich vorsorgen sollten:Zum Rentenlücken-Rechner
Die verschiedenen Rentenarten
Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt nicht nur Altersrenten. Je nach Lebenssituation können Sie verschiedene Rentenarten in Anspruch nehmen.
Altersrenten
Die klassische Rente für den Ruhestand. Es gibt verschiedene Varianten:
- Regelaltersrente: Ab 67 Jahren mit 5 Jahren Wartezeit
- Altersrente für langjährig Versicherte: Ab 63 (mit Abzügen) bei 35 Jahren Wartezeit
- Altersrente für besonders langjährig Versicherte: Ab 63 ohne Abzüge bei 45 Jahren Wartezeit
- Altersrente für schwerbehinderte Menschen: Ab 62 (mit Abzügen) oder ab 65 (ohne Abzüge)
Erwerbsminderungsrente
Bei Krankheit oder Behinderung, die das Arbeiten einschränkt oder unmöglich macht. Voraussetzung: Mindestens 5 Jahre Wartezeit und 3 Jahre Pflichtbeiträge in den letzten 5 Jahren.
Wenn Sie weniger als 3 Stunden täglich arbeiten können
Wenn Sie 3-6 Stunden täglich arbeiten können (halbe Rente)
Hinterbliebenenrenten
Absicherung für Ehepartner und Kinder nach dem Tod eines Versicherten:
- Große Witwenrente: 55% der Versichertenrente (neues Recht) bei Kindern, Alter ab 47 oder Erwerbsminderung
- Kleine Witwenrente: 25% für max. 24 Monate, wenn keine Voraussetzungen für große Witwenrente
- Waisenrente: Halbwaisenrente (10%) oder Vollwaisenrente (20%) bis zum 18. bzw. 27. Lebensjahr bei Ausbildung
Das Rentenniveau: Was bedeutet es?
Das Rentenniveau ist ein wichtiger Indikator für die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente. Es gibt an, wie hoch die Rente eines Durchschnittsverdieners nach 45 Beitragsjahren im Verhältnis zum aktuellen Durchschnittsverdienst ist.
Aktuelles Rentenniveau: ca. 48%
Das bedeutet: Ein sogenannter Standardrentner (45 Jahre Durchschnittsverdienst, Renteneintritt mit 67) erhält eine Rente von etwa 48% des aktuellen Durchschnittseinkommens der Erwerbstätigen.
In den 1970er Jahren lag das Rentenniveau noch bei über 55%. Seitdem ist es kontinuierlich gesunken. Die Politik hat eine Untergrenze von 48% bis 2025 festgelegt, die auch für die kommenden Jahre gelten soll (Rentenpaket II).
Die Rentenlücke
Experten empfehlen, im Ruhestand etwa 80% des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung zu haben. Die Differenz zwischen gesetzlicher Rente (ca. 48% nach Abzügen noch weniger) und diesem Ziel ist Ihre Rentenlücke.
Je früher Sie diese Lücke erkennen und schließen, desto besser. Private Vorsorge ist für die meisten Menschen unverzichtbar!
Die Renteninformation lesen und verstehen
Ab dem 27. Lebensjahr und mindestens 5 Beitragsjahren erhalten Sie jährlich Ihre persönliche Renteninformation per Post. Dieses Dokument ist Ihr wichtigstes Werkzeug für die Rentenplanung.
Was Sie in der Renteninformation finden:
Bisher erreichte Rentenanwartschaft
Die Rente, die Sie bekommen würden, wenn Sie heute in Rente gingen (basierend auf Ihren bisherigen Beiträgen).
Hochrechnung bei Weiterbeschäftigung
Prognose Ihrer Rente, wenn Sie bis zur Regelaltersgrenze weiterarbeiten und gleich viel verdienen wie bisher.
Hochrechnung mit Rentenanpassung
Prognose unter der Annahme, dass die Renten jährlich um 1-2% steigen. Meist die optimistischste Zahl - mit Vorsicht genießen!
Bisher erworbene Entgeltpunkte
Die Summe Ihrer Rentenpunkte - die wichtigste Zahl für Ihre Rentenberechnung.
Achtung: Die Prognosen sind Bruttobeträge!
Von den angegebenen Beträgen werden noch Kranken- und Pflegeversicherung (ca. 11%) abgezogen. Außerdem ist die Rente steuerpflichtig. Bei einem Renteneintritt 2026 sind 84% der Rente steuerpflichtig. Planen Sie also mit deutlich weniger als die Prognose zeigt!
Sie können Ihre Renteninformation auch online abrufen. Registrieren Sie sich dazu auf dem Portal der Deutschen Rentenversicherung unter deutsche-rentenversicherung.de. Dort haben Sie Zugriff auf Ihr persönliches Rentenkonto und können Ihren Versicherungsverlauf prüfen.
Häufige Fragen zur gesetzlichen Rente
Wie viele Rentenpunkte bekomme ich pro Jahr?
Bei einem Durchschnittsverdienst (2026: ca. 45.358 Euro brutto pro Jahr) erhalten Sie genau einen Rentenpunkt. Verdienen Sie mehr, bekommen Sie entsprechend mehr Punkte - bei doppeltem Durchschnittsverdienst also zwei Punkte. Die Obergrenze liegt bei der Beitragsbemessungsgrenze (2026: 90.600 Euro West), darüber hinaus werden keine weiteren Punkte gutgeschrieben. Verdienen Sie weniger als der Durchschnitt, erhalten Sie anteilig weniger Punkte.
Wann kann ich in Rente gehen?
Das reguläre Rentenalter liegt bei 67 Jahren (Regelaltersgrenze). Sie können jedoch früher in Rente gehen: Mit 63 Jahren und 35 Beitragsjahren mit Abzügen von 0,3% pro Monat, mit 63 Jahren und 45 Beitragsjahren (besonders langjährig Versicherte) ohne Abzüge, oder mit Schwerbehinderung bereits ab 62 Jahren. Auch ein späterer Renteneintritt ist möglich und wird mit 0,5% Zuschlag pro Monat belohnt.
Wie wird die gesetzliche Rente berechnet?
Die Rentenformel lautet: Monatsrente = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Rentenartfaktor x aktueller Rentenwert. Bei 45 Jahren Durchschnittsverdienst (45 Entgeltpunkte), Rente mit 67 (Zugangsfaktor 1,0), Altersrente (Faktor 1,0) und aktuellem Rentenwert von 39,32 Euro (2026) ergibt das: 45 x 1,0 x 1,0 x 39,32 = 1.769,40 Euro brutto monatlich.
Reicht die gesetzliche Rente zum Leben?
In den meisten Fällen nicht. Das Rentenniveau liegt bei etwa 48% des Durchschnittseinkommens - nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst. Wer weniger verdient oder weniger Jahre einzahlt, bekommt entsprechend weniger. Experten empfehlen, im Alter 80% des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung zu haben. Die Differenz zwischen gesetzlicher Rente und diesem Ziel ist Ihre Rentenlücke, die Sie privat schließen sollten.
Wo finde ich meine Renteninformation?
Ab dem 27. Lebensjahr und mit mindestens 5 Beitragsjahren erhalten Sie jährlich automatisch Ihre Renteninformation per Post. Sie können Ihre Rentendaten auch online über das Portal der Deutschen Rentenversicherung einsehen (nach Registrierung). Telefonisch erreichen Sie die DRV unter 0800 1000 4800 (kostenlos). In der Renteninformation sehen Sie Ihre bisher erworbenen Rentenpunkte und eine Prognose Ihrer zukünftigen Rente.
Fazit: Die gesetzliche Rente als Basis
Die gesetzliche Rente ist und bleibt das Fundament Ihrer Altersvorsorge. Sie bietet eine lebenslange, inflationsangepasste Basisabsicherung. Doch allein wird sie für die meisten Menschen nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten.
Verstehen Sie die Rentenformel, prüfen Sie regelmäßig Ihre Renteninformation und berechnen Sie Ihre Rentenlücke. Je früher Sie mit der zusätzlichen Vorsorge beginnen, desto weniger müssen Sie monatlich zurücklegen. Nutzen Sie dabei auch staatliche Förderungen wie Riester, Rurup oder die betriebliche Altersvorsorge.
Weiterführende Artikel
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Rechts- oder Finanzberatung dar. Die genannten Werte und Prozentsätze können sich durch Gesetzesänderungen jederzeit ändern. Für verbindliche Auskünfte zu Ihrer persönlichen Rentensituation wenden Sie sich bitte an die Deutsche Rentenversicherung.