Rentenlücke berechnen: So schließen Sie die Versorgungslücke
Die gesetzliche Rente wird für die meisten Deutschen nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Diese Differenz zwischen Wunschrente und gesetzlicher Rente nennt man Rentenlücke. In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie Ihre persönliche Rentenlücke berechnen und welche Strategien es gibt, um sie rechtzeitig zu schließen.
48%
Rentenniveau
~30%
Einkommenslücke
300x
Kapital pro € Rente
7%
Hist. ETF-Rendite
Was ist die Rentenlücke?
Die Rentenlücke (auch Versorgungslücke genannt) ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das Sie im Ruhestand benötigen, und der gesetzlichen Rente, die Sie tatsächlich erhalten werden. Diese Lücke entsteht, weil das Rentenniveau in Deutschland seit Jahren sinkt und aktuell nur noch bei etwa 48% des Durchschnittseinkommens liegt.
Die Formel zur Berechnung der Rentenlücke
Wunschrente - Gesetzliche Rente = Rentenlücke
Diese monatliche Lücke müssen Sie durch private Vorsorge schließen.
Warum entsteht eine Rentenlücke?
Immer weniger Erwerbstätige müssen immer mehr Rentner finanzieren. Das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern verschlechtert sich stetig.
Das Rentenniveau ist von 53% (2000) auf heute ca. 48% gesunken. Ohne Reformen könnte es weiter auf unter 45% fallen.
Die Rentenanpassungen gleichen oft nicht die Inflation aus. Real verliert Ihre Rente an Kaufkraft.
Seit 2005 werden Renten zunehmend besteuert. Wer 2040 in Rente geht, muss 100% seiner Rente versteuern.
Wichtig zu wissen
Die in Ihrer Renteninformation angegebene Rente ist eine Bruttorente. Davon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge (ca. 11%) sowie Steuern ab. Die tatsächlich verfügbare Nettorente ist also nochmals geringer!
Beispielrechnung: Rentenlücke konkret
Anhand eines konkreten Beispiels zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Rentenlücke berechnen und welche Sparrate Sie benötigen.
Beispiel: Angestellter, 35 Jahre, 3.500 € brutto
Gewünschte Rente
2.500 €
ca. 80% des Nettoeinkommens
Erwartete ges. Rente
1.400 €
laut Renteninformation
Rentenlücke
1.100 €
monatlich fehlendes Einkommen
Kapitalbedarf berechnen
Um eine monatliche Lücke von 1.100 € zu schließen, benötigen Sie bei einer Entnahmerate von 4% jährlich:
1.100 € x 12 Monate / 4% =
330.000 €
benötigtes Kapital bei Rentenbeginn
Erforderliche Sparrate nach Einstiegsalter
Angenommen, Sie möchten mit 67 in Rente gehen und erzielen eine durchschnittliche Rendite von 7% pro Jahr (historische ETF-Rendite):
| Einstiegsalter | Anlagezeitraum | Mtl. Sparrate | Eingezahlt |
|---|---|---|---|
| 25 JahreOptimal | 42 Jahre | 245 € | 123.480 € |
| 35 Jahre | 32 Jahre | 445 € | 170.880 € |
| 45 Jahre | 22 Jahre | 880 € | 232.320 € |
| 55 Jahre | 12 Jahre | 1.850 € | 266.400 € |
Die Erkenntnis: Wer mit 25 startet, zahlt insgesamt nur 123.480 € ein und erreicht trotzdem 330.000 €. Wer mit 55 startet, muss 266.400 € einzahlen - fast doppelt so viel - und erreicht das gleiche Ziel nur knapp. Der Zinseszinseffekt macht frühes Starten unbezahlbar.
Berechnen Sie Ihre persönliche Rentenlücke
Mit unserem kostenlosen Rechner ermitteln Sie in wenigen Minuten, wie groß Ihre Versorgungslücke ist und welche Sparrate Sie benötigen.
Jetzt Rentenlücke berechnenInflation: Der schleichende Wertverlust
Ein oft übersehener Faktor bei der Rentenplanung ist die Inflation. Sie entwertet Ihr Geld Jahr für Jahr und macht Ihre sorgfältig geplante Rente weniger wert, als Sie denken.
So wirkt die Inflation auf Ihre Rente
Heute
2.500 €
Kaufkraft
In 20 Jahren
1.687 €
bei 2% Inflation
In 30 Jahren
1.381 €
bei 2% Inflation
Das bedeutet: Um in 30 Jahren die gleiche Kaufkraft wie heute 2.500 € zu haben, benötigen Sie nominal etwa 4.530 € monatlich!
Wie Sie die Inflation berücksichtigen
Rechnen Sie mit Realrendite
Ziehen Sie die erwartete Inflation (ca. 2%) von Ihrer Bruttorendite ab. Bei 7% ETF-Rendite bleiben real etwa 5% übrig. So planen Sie konservativ.
Erhöhen Sie Ihre Sparrate regelmäßig
Passen Sie Ihre Sparrate jährlich um 2-3% an (z.B. bei Gehaltserhöhungen). So halten Sie mit der Inflation Schritt.
Setzen Sie auf Sachwerte
Aktien und Immobilien sind historisch gesehen ein guter Inflationsschutz. Unternehmen können steigende Kosten an Kunden weitergeben.
Strategien zum Schließen der Rentenlücke
Es gibt verschiedene Wege, Ihre Rentenlücke zu schließen. Die optimale Strategie hängt von Ihrer persönlichen Situation, Ihrem Alter und Ihrer Risikobereitschaft ab.
ETF-Sparplan
Breit gestreut in Aktien-ETFs investieren. Historische Rendite von ca. 7% p.a. bei langfristigem Anlagehorizont.
Vorteile
- Hohe Renditechancen
- Flexibel anpassbar
- Niedrige Kosten
- Volle Kontrolle
Nachteile
- Kursschwankungen
- Keine Garantie
- Eigenverantwortung
Geeignet für: Anleger mit langem Zeithorizont (10+ Jahre) und Risikobereitschaft
Mehr erfahrenRiester-Rente
Staatlich geförderte Altersvorsorge mit Zulagen und Steuervorteilen. Beitragsgarantie zum Rentenbeginn.
Vorteile
- Staatliche Zulagen (175 € + 300 €/Kind)
- Steuervorteile
- Beitragsgarantie
- Pfändungssicher
Nachteile
- Begrenzte Rendite
- Unflexibel
- Komplexe Regelungen
Geeignet für: Familien mit Kindern, Geringverdiener, sicherheitsorientierte Anleger
Mehr erfahrenBetriebliche Altersvorsorge (bAV)
Vorsorge über den Arbeitgeber mit Steuer- und Sozialabgabenersparnis. Oft mit Arbeitgeberzuschuss.
Vorteile
- Arbeitgeberzuschuss (mind. 15%)
- Steuerersparnis
- Sozialabgabenersparnis
- Automatisch
Nachteile
- Abhängig vom Arbeitgeber
- Volle Versteuerung im Alter
- Weniger GRV-Ansprüche
Geeignet für: Angestellte mit Arbeitgeberzuschuss, Gutverdiener
Mehr erfahrenImmobilien
Selbstgenutzte Immobilie als mietfreies Wohnen im Alter oder vermietete Immobilie als Einnahmequelle.
Vorteile
- Mietfreies Wohnen
- Inflationsschutz
- Sachwert
- Mieteinnahmen möglich
Nachteile
- Hoher Kapitalbedarf
- Klumpenrisiko
- Nebenkosten
- Instandhaltung
Geeignet für: Anleger mit hohem Eigenkapital und langfristigem Planungshorizont
Mehr erfahrenUnsere Empfehlung: Der ausgewogene Mix
Für die meisten Anleger empfehlen wir eine Kombination aus verschiedenen Bausteinen:
50-70%
ETF-Sparplan
Rendite-Baustein
20-30%
Riester/bAV
Förder-Baustein
10-20%
Sicherheit
Tagesgeld/Anleihen
Je früher desto besser: Die Macht des Zinseszins
Der Zinseszinseffekt ist der wichtigste Verbündete bei der Altersvorsorge. Albert Einstein soll ihn als "achtes Weltwunder" bezeichnet haben. Je früher Sie anfangen, desto mehr arbeitet das Geld für Sie - nicht umgekehrt.
Zwei Anleger im Vergleich
Anna, 25 Jahre
- Sparrate:200 €/Monat
- Anlagedauer:42 Jahre
- Eingezahlt:100.800 €
- Endkapital (7%):ca. 590.000 €
Zinsen: ca. 489.000 €
Ben, 45 Jahre
- Sparrate:500 €/Monat
- Anlagedauer:22 Jahre
- Eingezahlt:132.000 €
- Endkapital (7%):ca. 295.000 €
Zinsen: ca. 163.000 €
Anna zahlt 31.200 € weniger ein als Ben, hat aber am Ende 295.000 € mehr Vermögen. Der Unterschied: 20 Jahre länger Zinseszins.
Die goldene Regel der Altersvorsorge
Starten Sie heute, nicht morgen. Selbst kleine Beträge machen einen riesigen Unterschied, wenn sie früh genug angelegt werden. Warten Sie nicht auf den "perfekten Moment" - der beste Zeitpunkt zum Investieren war vor 20 Jahren, der zweitbeste ist jetzt.
Handlungsempfehlungen nach Alter
Je nach Lebensphase gelten unterschiedliche Prioritäten. Finden Sie heraus, worauf Sie in Ihrem Alter besonders achten sollten.
20-30 Jahre
Der frühe Vogel
Sie haben den größten Vorteil auf Ihrer Seite: Zeit. Selbst kleine Sparraten wachsen durch den Zinseszins zu beachtlichen Summen.
Empfohlene Maßnahmen:
- Starten Sie mit einem ETF-Sparplan - auch 50-100 €/Monat reichen
- Nutzen Sie Riester, wenn Sie Kinder haben oder planen
- Prüfen Sie die bAV, wenn Ihr Arbeitgeber gut bezuschusst
- Investieren Sie renditeorientiert - Sie können Schwankungen aussitzen
Rechenbeispiel: 100 €/Monat ergeben bei 7% Rendite nach 40 Jahren ca. 260.000 €
30-40 Jahre
Die Aufbauphase
Oft die einkommensstärkste Phase. Nutzen Sie steigende Gehälter, um Ihre Sparrate konsequent zu erhöhen.
Empfohlene Maßnahmen:
- Erhöhen Sie Ihre ETF-Sparrate bei Gehaltserhöhungen
- Maximieren Sie Riester-Zulagen, besonders mit Kindern
- Nutzen Sie die bAV bis zur Beitragsbemessungsgrenze
- Prüfen Sie den Kauf einer Immobilie zur Selbstnutzung
Rechenbeispiel: 300 €/Monat ergeben bei 7% Rendite nach 30 Jahren ca. 340.000 €
40-50 Jahre
Die Optimierungsphase
Noch genügend Zeit, aber jetzt zählt jeder Euro. Fokus auf Effizienz und Ausschöpfen aller Fördermittel.
Empfohlene Maßnahmen:
- Maximieren Sie alle staatlichen Förderungen (Riester, bAV)
- Erhöhen Sie die Aktienquote nicht mehr - eher stabilisieren
- Tilgen Sie Immobilienkredite zügig
- Prüfen Sie Ihre Versicherungen auf Optimierungspotenzial
Rechenbeispiel: 500 €/Monat ergeben bei 6% Rendite nach 20 Jahren ca. 230.000 €
50-60 Jahre
Die Sicherungsphase
Die Zeit wird knapp. Fokus auf sichere Anlagen und realistische Ziele. Jetzt ist Disziplin wichtiger denn je.
Empfohlene Maßnahmen:
- Reduzieren Sie schrittweise die Aktienquote
- Nutzen Sie die Möglichkeit der Sondertilgung bei Immobilien
- Prüfen Sie Rürup als steuerlich absetzbare Zusatzrente
- Planen Sie den genauen Übergang in den Ruhestand
Rechenbeispiel: 800 €/Monat ergeben bei 4% Rendite nach 10 Jahren ca. 115.000 €
Ihre optimale Sparrate berechnen
Die richtige Sparrate hängt von mehreren Faktoren ab. Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre persönliche Sparrate ermitteln.
Schritt-für-Schritt zur richtigen Sparrate
Rentenlücke ermitteln
Wunschrente (ca. 80% des Nettoeinkommens) minus erwartete gesetzliche Rente. Die Differenz ist Ihre monatliche Rentenlücke.
Kapitalbedarf berechnen
Monatliche Rentenlücke x 12 Monate / 4% Entnahmerate = benötigtes Kapital. Bei 1.000 € Lücke: 1.000 x 12 / 0,04 = 300.000 €
Anlagezeitraum bestimmen
67 Jahre (Renteneintrittsalter) minus Ihr aktuelles Alter = Jahre bis zur Rente. Je länger der Zeitraum, desto niedriger die erforderliche Sparrate.
Sparrate ermitteln
Nutzen Sie unseren Rechner oder die Formel für den Sparplanrechner. Berücksichtigen Sie dabei eine realistische Rendite (5-7% für Aktien-ETFs).
Faustregel: 10-15% vom Netto
Als Faustregel gilt: Sparen Sie mindestens 10-15% Ihres Nettoeinkommens für die Altersvorsorge. Bei 2.500 € netto wären das 250-375 € monatlich. Je später Sie starten, desto höher sollte der Prozentsatz sein.
Sparrate dynamisch anpassen
Erhöhen Sie Ihre Sparrate bei jeder Gehaltssteigerung um mindestens die Hälfte der Erhöhung. So steigt Ihre Vorsorge mit, ohne dass Sie auf Lebensqualität verzichten müssen.
Berechnen Sie jetzt Ihre optimale Sparrate
Unser kostenloser Rentenlücken-Rechner zeigt Ihnen genau, wie viel Sie monatlich sparen müssen, um Ihre Versorgungslücke zu schließen.
Zum Rentenlücken-RechnerHäufige Fragen zur Rentenlücke
Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Rentenlücke und Altersvorsorge
Wie berechne ich meine persönliche Rentenlücke?
Ihre Rentenlücke berechnen Sie in drei Schritten: 1) Ermitteln Sie Ihre Wunschrente (etwa 80% Ihres aktuellen Nettoeinkommens). 2) Schauen Sie in Ihre Renteninformation, wie hoch Ihre voraussichtliche gesetzliche Rente sein wird. 3) Die Differenz ist Ihre Rentenlücke. Beispiel: Bei 2.500 € Wunschrente und 1.400 € gesetzlicher Rente beträgt Ihre Rentenlücke 1.100 € monatlich.
Wie viel Kapital brauche ich, um meine Rentenlücke zu schließen?
Als Faustregel gilt: Für jeden Euro monatliche Zusatzrente benötigen Sie etwa 300 € Kapital (bei einer Entnahmerate von 4% jährlich). Bei einer Rentenlücke von 1.000 € brauchen Sie also rund 300.000 €. Diese Summe sollte bei Rentenbeginn zur Verfügung stehen. Beachten Sie: Dieser Wert ist konservativ gerechnet - mit einer Rentenversicherung kommen Sie mit weniger Kapital aus, haben aber keine Vererbbarkeit.
Wie hoch muss meine Sparrate sein, um die Rentenlücke zu schließen?
Die erforderliche Sparrate hängt stark von Ihrem Alter und der angenommenen Rendite ab. Beispiel für eine Rentenlücke von 1.000 € (300.000 € Kapitalbedarf): Mit 25 Jahren: ca. 200 €/Monat bei 7% Rendite. Mit 35 Jahren: ca. 370 €/Monat. Mit 45 Jahren: ca. 730 €/Monat. Mit 55 Jahren: ca. 1.540 €/Monat. Der Zinseszinseffekt macht den frühen Start so wertvoll.
Muss ich bei der Rentenlücke die Inflation berücksichtigen?
Ja, unbedingt! Die Inflation entwertet Ihre Kaufkraft jährlich um etwa 2-3%. Was heute 2.500 € wert ist, entspricht in 30 Jahren nur noch etwa 1.400 € Kaufkraft (bei 2% Inflation). Zwei Lösungsansätze: 1) Rechnen Sie Ihre Wunschrente inflationsbereinigt hoch (bei 2% Inflation und 30 Jahren: Faktor 1,81). 2) Investieren Sie in Sachwerte wie Aktien oder Immobilien, die historisch die Inflation ausgeglichen haben.
Welche Strategie ist die beste, um die Rentenlücke zu schließen?
Die beste Strategie ist ein Mix aus verschiedenen Bausteinen: 1) ETF-Sparplan als flexibler Rendite-Baustein (50-70% der Sparrate). 2) Riester oder bAV für die staatliche Förderung (falls attraktiv). 3) Optional: Immobilie für mietfreies Wohnen im Alter. Wichtig: Je jünger Sie sind, desto mehr Risiko (Aktienquote) können Sie eingehen. Mit zunehmendem Alter sollten Sie sicherer anlegen.
Starten Sie noch heute mit Ihrer Altersvorsorge
Je früher Sie beginnen, desto einfacher wird es, Ihre Rentenlücke zu schließen. Der erste Schritt: Berechnen Sie Ihre persönliche Versorgungslücke.
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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Die dargestellten Berechnungen basieren auf vereinfachten Annahmen und können von der Realität abweichen. Insbesondere sind zukünftige Renditen und Inflationsraten nicht vorhersagbar. Bitte ziehen Sie für Ihre persönliche Finanzplanung einen qualifizierten Finanzberater hinzu.