Unabhängig und flexibel vorsorgen

Private Altersvorsorge mit ETFs: Der flexible Weg in den Ruhestand

Rentenversicherungen sind teuer, unflexibel und oft renditeschwach. Ein ETF-Sparplan bietet die bessere Alternative: niedrige Kosten, volle Kontrolle und historisch höhere Renditen. In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie Ihre private Altersvorsorge mit ETFs aufbauen und im Ruhestand davon leben.

0,2%

ETF-Kosten p.a.

~7%

Hist. Rendite

100%

Flexibilität

4%

Entnahmerate

Warum private Altersvorsorge unverzichtbar ist

Die gesetzliche Rente wird für die meisten Menschen nicht ausreichen, um im Alter den gewohnten Lebensstandard zu halten. Das sogenannte Rentenniveau liegt aktuell bei etwa 48% des letzten Durchschnittseinkommens - Tendenz sinkend. Wer im Berufsleben 3.000 EUR netto verdient hat, erhält im Ruhestand also nur noch etwa 1.440 EUR brutto von der gesetzlichen Rente.

Die Rentenlücke - ein Rechenbeispiel

Letztes Nettoeinkommen

3.000 EUR

Gewünschtes Einkommen im Alter (80%)

2.400 EUR

Erwartete gesetzliche Rente (netto)

ca. 1.300 EUR

Monatliche Rentenlücke

1.100 EUR

Um diese Lücke zu schließen, benötigen Sie bei der 4%-Regel ein Kapital von etwa 330.000 EUR. Mit einem ETF-Sparplan über 30 Jahre ist das mit etwa 320 EUR monatlich erreichbar.

Die demografische Herausforderung

Das deutsche Rentensystem basiert auf dem Umlageverfahren: Die heutigen Arbeitnehmer finanzieren die heutigen Rentner. Das Problem: Die Bevölkerung altert rapide. Kamen 1962 noch 6 Erwerbstätige auf einen Rentner, sind es heute nur noch etwa 2,8. Bis 2040 wird dieses Verhältnis voraussichtlich auf 1,8 sinken.

48%

Rentenniveau heute

67

Regelaltersgrenze

2,8:1

Arbeitnehmer pro Rentner

Fazit: Wer sich allein auf die gesetzliche Rente verlässt, wird im Alter voraussichtlich deutliche Einbußen beim Lebensstandard hinnehmen müssen. Private Vorsorge ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Das 3-Säulen-Modell der Altersvorsorge

Die Altersvorsorge in Deutschland basiert auf drei Säulen. Eine ausgewogene Kombination aller drei Säulen bietet die beste Absicherung.

1. Säule

Gesetzliche Rente

Pflichtversicherung für Arbeitnehmer. Basis der Altersvorsorge, aber allein nicht ausreichend.

Anteil: ca. 48% des letzten Nettos

2. Säule

Betriebliche Altersvorsorge

Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds. Oft mit Arbeitgeberzuschuss.

Anteil: variabel (15% AG-Zuschuss)

3. Säule

Private Vorsorge

ETF-Sparpläne, Immobilien, Riester oder private Rentenversicherungen. Hier liegt der Fokus dieses Artikels.

Anteil: so viel wie nötig

Warum die 3. Säule so wichtig ist

Die dritte Säule ist die einzige, über die Sie volle Kontrolle haben. Während die gesetzliche Rente politischen Entscheidungen unterliegt und die bAV vom Arbeitgeber abhängt, bestimmen Sie bei der privaten Vorsorge selbst: Wie viel Sie sparen, wie Sie anlegen und wann Sie auf das Geld zugreifen. Ein ETF-Sparplan ist dabei die flexibelste und kostengünstigste Lösung.

ETF-Sparplan als Altersvorsorge

Ein ETF-Sparplan ist ein automatisierter Dauerauftrag, mit dem Sie regelmäßig in einen börsengehandelten Indexfonds investieren. Für die Altersvorsorge eignen sich besonders breit gestreute Welt-ETFs, die in über 1.500 Unternehmen weltweit investieren.

So funktioniert es

1

Depot eröffnen

Bei einem Online-Broker wie Trade Republic, Scalable Capital oder ING ein kostenloses Depot eröffnen. Dauert etwa 15 Minuten.

2

ETF auswählen

Für Einsteiger empfehlen wir einen thesaurierenden MSCI World oder FTSE All-World ETF. Ein ETF reicht für maximale Diversifikation.

3

Sparplan einrichten

Legen Sie Ihre monatliche Sparrate fest (ab 25 EUR möglich) und wählen Sie einen Ausführungstag. Der Sparplan kauft dann automatisch jeden Monat ETF-Anteile.

4

Geduld haben

Der Schlüssel zum Erfolg: Konsequent weitersparen, auch in Krisenzeiten. Nach 20-30 Jahren profitieren Sie massiv vom Zinseszinseffekt.

Wichtig: Ein ETF-Sparplan für die Altersvorsorge ist langfristig ausgelegt. Planen Sie mindestens 15-20 Jahre Anlagehorizont ein. Je länger Sie investiert sind, desto geringer wird das Risiko und desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt.

Eine ausführliche Anleitung finden Sie in unserem Artikel ETF Sparplan einrichten: Der komplette Leitfaden.

ETF vs. Rentenversicherung: Der große Vergleich

Warum empfehlen wir ETF-Sparpläne statt klassischer Rentenversicherungen? Der Vergleich zeigt es deutlich.

KriteriumRentenversicherungETF-SparplanVorteil
Kosten pro Jahr1,5-3,0%0,1-0,3%ETF
FlexibilitätGering (Kündigungsfristen, Verluste)Sehr hoch (jederzeit verfügbar)ETF
TransparenzNiedrig (komplexe Verträge)Sehr hoch (täglich einsehbar)ETF
GarantienBeitragsgarantie möglichKeineVersicherung
Steuervorteile AnsparphaseJa (bei Riester/Rürup)NeinVersicherung
Historische Renditeca. 2-4% nach Kostenca. 6-8% langfristigETF
VererbbarkeitEingeschränktVollständigETF

Niedrige Kosten

Während Versicherungen oft 1,5-3% pro Jahr kosten, zahlen Sie bei einem ETF nur 0,1-0,3%. Bei 30 Jahren Laufzeit bedeutet das zehntausende Euro mehr Vermögen.

Maximale Flexibilität

Sie können Ihre Sparrate jederzeit anpassen, pausieren oder erhöhen. Das Geld ist nicht für Jahrzehnte eingesperrt wie bei einer Versicherung.

Volle Transparenz

Sie sehen täglich, was Ihr Depot wert ist und in welche Unternehmen Sie investiert sind. Keine versteckten Kosten, keine undurchsichtigen Verträge.

Beispielrechnung: 30 Jahre ETF-Sparplan

Wie entwickelt sich ein ETF-Sparplan über 30 Jahre? Wir rechnen mit einer monatlichen Sparrate von 300 EUR und einer durchschnittlichen Rendite von 7% pro Jahr (historischer Durchschnitt des MSCI World).

AlterJahreEingezahltDepotwertZinsertrag
30 Jahre00 EUR0 EUR0 EUR
35 Jahre518.000 EUR21.035 EUR3.035 EUR
40 Jahre1036.000 EUR49.352 EUR13.352 EUR
45 Jahre1554.000 EUR87.610 EUR33.610 EUR
50 Jahre2072.000 EUR139.460 EUR67.460 EUR
55 Jahre2590.000 EUR209.847 EUR119.847 EUR
60 Jahre30108.000 EUR305.932 EUR197.932 EUR

Gesamt eingezahlt

108.000 EUR

Endvermögen

305.932 EUR

Reiner Zinsertrag

+197.932 EUR

Was bedeutet das für Ihre Rente?

Mit einem Endvermögen von etwa 306.000 EUR können Sie nach der 4%-Regel monatlich rund 1.020 EUR entnehmen - und das Kapital reicht voraussichtlich 30 Jahre oder länger.

Entnahmestrategien: Die 4%-Regel und Alternativen

Wie viel können Sie im Ruhestand aus Ihrem ETF-Depot entnehmen, ohne dass das Geld vorzeitig aufgebraucht ist? Die Wissenschaft hat dafür Strategien entwickelt.

4%-Regel (Trinity-Studie)

Risiko: Mittel

Entnehmen Sie jährlich 4% Ihres Startkapitals (inflationsbereinigt). Das Kapital reicht mit hoher Wahrscheinlichkeit 30+ Jahre.

Beispielrechnung

Bei 400.000 EUR Kapital: 16.000 EUR/Jahr = 1.333 EUR/Monat

Geeignet für

Standard-Empfehlung für die meisten Anleger

3%-Regel (konservativ)

Risiko: Niedrig

Sicherere Variante mit nur 3% Entnahme. Das Kapital wächst oft noch weiter.

Beispielrechnung

Bei 400.000 EUR Kapital: 12.000 EUR/Jahr = 1.000 EUR/Monat

Geeignet für

Für sehr sicherheitsorientierte Anleger

Dynamische Entnahme

Risiko: Variabel

Die Entnahmerate passt sich dem Depotwert an. In guten Jahren mehr, in schlechten weniger.

Beispielrechnung

z.B. immer 4% des aktuellen Depotwerts

Geeignet für

Für flexible Anleger mit Puffer

Die 4%-Regel im Detail

Die 4%-Regel stammt aus der sogenannten Trinity-Studie von 1998. Sie besagt: Wer jährlich 4% seines anfänglichen Portfoliowerts entnimmt (inflationsbereinigt), hat mit einem 50/50-Portfolio aus Aktien und Anleihen eine Erfolgswahrscheinlichkeit von über 95% über 30 Jahre.

Wichtig: Bei einem reinen Aktienportfolio (100% ETFs) kann die Erfolgsquote sogar höher sein, allerdings mit größeren Schwankungen. Wer flexibel ist und in schlechten Jahren etwas weniger entnimmt, erhöht seine Chancen zusätzlich.

Steuerliche Behandlung der ETF-Altersvorsorge

Ein häufiges Argument gegen ETFs ist die fehlende Steuerförderung wie bei Riester oder Rürup. Doch die Rechnung geht anders auf als viele denken.

Abgeltungssteuer mit Teilfreistellung

Auf Gewinne aus Aktien-ETFs zahlen Sie 25% Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag. Dank der 30%-Teilfreistellung für Aktienfonds liegt der effektive Steuersatz aber nur bei etwa 18,5%.

Sparerpauschbetrag nutzen

Kapitalerträge bis 1.000 EUR pro Jahr (2.000 EUR für Paare) sind steuerfrei. Richten Sie bei Ihrem Broker einen Freistellungsauftrag ein, um diesen Freibetrag automatisch zu nutzen.

Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs

Bei thesaurierenden ETFs wird jährlich eine kleine Vorabpauschale versteuert. Diese wird später beim Verkauf angerechnet, sodass keine Doppelbesteuerung entsteht. Die Vorabpauschale ist in der Regel gering und fällt in Jahren mit negativem Basiszins gar nicht an.

Steuervergleich: ETF vs. Riester

Bei Riester sparen Sie zwar in der Ansparphase Steuern, zahlen aber im Alter den vollen Einkommensteuersatz auf die Auszahlungen. Bei ETFs zahlen Sie nur ca. 18,5% auf die Gewinne. Zudem: Die höhere Nettorendite der ETFs kompensiert den fehlenden Steuervorteil in den meisten Fällen mehr als aus.

ETF-Altersvorsorge

ca. 18,5% Steuern auf Gewinne

Riester-Auszahlung

bis zu 42% auf gesamte Auszahlung

ETF-Sparplan mit Riester und bAV kombinieren

Eine kluge Altersvorsorge nutzt verschiedene Bausteine. In bestimmten Situationen lohnt sich die Kombination von ETF-Sparplan mit staatlich geförderten Produkten.

Wann Riester sinnvoll ist

  • Familien mit Kindern (300 EUR Zulage pro Kind)
  • Geringverdiener (hohe Zulagen im Verhältnis zum Eigenbeitrag)
  • Gutverdiener mit hohem Steuersatz (Steuererstattung)

Achtung: Wählen Sie einen kostengünstigen Riester-Vertrag (z.B. fairr oder ETF-basierte Anbieter). Klassische Riester-Versicherungen haben oft zu hohe Kosten.

Wann bAV sinnvoll ist

  • Arbeitgeber zahlt mindestens 15% Zuschuss (Pflicht seit 2019)
  • Arbeitgeber zahlt sogar mehr als die Pflicht
  • Sie planen, langfristig beim Arbeitgeber zu bleiben

Tipp: Beschränken Sie die bAV auf den Betrag, für den Sie Arbeitgeberzuschuss erhalten. Den Rest investieren Sie flexibel in ETFs.

Empfohlene Reihenfolge

1

Notgroschen aufbauen (3-6 Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto)

2

bAV nutzen, soweit Arbeitgeberzuschuss vorhanden

3

Riester prüfen, wenn Kinderzulagen oder hohe Steuerersparnis winken

4

Rest in einen flexiblen ETF-Sparplan investieren

Mehr zur Gesamtübersicht der Altersvorsorge-Optionen finden Sie auf unserer Altersvorsorge-Übersichtsseite.

Häufige Fragen zur privaten Altersvorsorge mit ETFs

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Ist ein ETF-Sparplan für die Altersvorsorge sicher genug?

Ein breit gestreuter Welt-ETF ist historisch betrachtet eine der sichersten langfristigen Anlagen. Zwar schwankt der Wert kurzfristig, aber über 20-30 Jahre hat ein MSCI World noch nie Verlust gemacht. Wichtig: Nur Geld investieren, das Sie langfristig nicht brauchen, und in der Nähe des Ruhestands schrittweise in sichere Anlagen umschichten.

Wie viel Geld brauche ich für die Altersvorsorge mit ETFs?

Das hängt von Ihrer gewünschten Zusatzrente ab. Mit der 4%-Regel: Für 500 EUR monatliche Zusatzrente (6.000 EUR/Jahr) benötigen Sie 150.000 EUR Kapital. Für 1.000 EUR monatlich brauchen Sie 300.000 EUR. Mit einem Sparplan über 30 Jahre und 7% Rendite erreichen Sie 300.000 EUR mit etwa 300 EUR monatlicher Sparrate.

Sollte ich ETFs mit Riester oder bAV kombinieren?

Ja, eine Kombination ist oft sinnvoll. Nutzen Sie Riester, wenn Sie Kinder haben (300 EUR Zulage pro Kind) oder ein hohes Einkommen haben (Steuerersparnis). Die bAV lohnt sich fast immer, wenn der Arbeitgeber mindestens 15% dazuzahlt. Der Rest Ihrer Sparrate sollte in einen flexiblen ETF-Sparplan fließen.

Welche Steuern fallen bei der ETF-Altersvorsorge an?

Auf Gewinne zahlen Sie ca. 18,5% Steuern (Abgeltungssteuer abzüglich 30% Teilfreistellung für Aktienfonds). Sie haben einen Freibetrag von 1.000 EUR pro Jahr (2.000 EUR für Paare). Bei thesaurierenden ETFs fällt zudem eine jährliche Vorabpauschale an, die später mit dem Verkaufsgewinn verrechnet wird.

Was passiert mit meinem ETF-Depot, wenn ich sterbe?

Im Gegensatz zu Rentenversicherungen ist ein ETF-Depot vollständig vererbbar. Ihre Erben erhalten das gesamte Depot und können es weiter besparen oder verkaufen. Es fällt keine Einkommensteuer auf die Kursgewinne an (Erben erhalten das Depot zum Kurswert am Todestag). Nur die reguläre Erbschaftsteuer kann anfallen, wobei Freibeträge gelten (500.000 EUR für Ehepartner, 400.000 EUR für Kinder).

Starten Sie Ihre private Altersvorsorge

Berechnen Sie Ihre Rentenlücke und erfahren Sie, wie viel Sie monatlich sparen sollten, um Ihren Lebensstandard im Alter zu halten.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Renditeerwartungen basieren auf historischen Daten und sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden und können zu Verlusten führen. Bitte informieren Sie sich umfassend und ziehen Sie bei Bedarf einen qualifizierten Finanzberater hinzu, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.