DAX-Sektor

Chemie & Pharma Sektor

Fünf DAX-Unternehmen zwischen Energiekrise, China-Konkurrenz und Pharma-Innovation. Von der zyklischen Basischemie bis zur defensiven Spezialchemie.

Auf einen Blick

157,3 Mrd. €
Marktkapitalisierung
5
DAX-Unternehmen
1,8%
Ø Dividendenrendite
3 Unternehmen
Chemie
2 Unternehmen
Pharma

Der Chemie & Pharma Sektor im DAX

Der deutsche Chemie- und Pharma-Sektor befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Die fünf DAX-Unternehmen repräsentieren ein breites Spektrum: Von der energieintensiven Basischemie (BASF, Covestro) über die Pharmabranche mit ihren Herausforderungen (Bayer, Merck KGaA) bis hin zur defensiven Spezialchemie (Symrise).

Die deutsche Chemieindustrie produziert aktuell rund 15% weniger als im Vorkrisenjahr 2018. Hohe Energiekosten - 4-5 mal höher als in den USA - belasten die Wettbewerbsfähigkeit massiv. Der Branchenverband VCI erwartet keine Erholung vor 2026.

Für Anleger bietet der Sektor dennoch interessante Möglichkeiten: Defensive Titel wie Merck KGaA und Symrise, attraktive Dividendenrenditen bei BASF, und Turnaround-Potenzial bei Bayer - wenn der Supreme Court im Glyphosat-Fall zugunsten des Unternehmens entscheidet.

Unternehmensvergleich

Alle Chemie & Pharma-Werte im DAX auf einen Blick (Stand: Januar 2026)

UnternehmenTypKursMarktk.KGVDiv.-RenditeEinschätzung
BA
BASF
BAS
ChemieZyklisch46,80 €41,6 Mrd. €17,35,1%Halten
BA
Bayer
BAYN
Pharma38,20 €37,5 Mrd. €n.a.0,3%Halten
MR
Merck KGaA
MRK
Pharma127,35 €56,0 Mrd. €24,51,8%Kaufen
1C
Covestro
1COV
ChemieZyklisch61,80 €11,9 Mrd. €n.a.0,0%Halten
SY
Symrise
SY1
Spezialchemie73,76 €10,3 Mrd. €20,51,6%Kaufen

Chemie-Unternehmen

Zyklisch und energieintensiv - stark abhängig von Konjunktur und Gaspreisen

BASF

BAS

Weltgrößter Chemiekonzern mit Sitz in Ludwigshafen. BASF leidet unter hohen Energiekosten in Europa und verlagert Investitionen nach China (10 Mrd. Euro Zhanjiang-Projekt). 2.600 Stellen werden in Europa abgebaut.

+ 5,1% DividendeZyklisch

Covestro

1COV

Spezialist für Polymere und Hochleistungskunststoffe. ADNOC aus Abu Dhabi hat das Unternehmen für 62 Euro/Aktie übernommen (81,77% Anteil). Ein Squeeze-Out wird erwartet. Energieeffizienz um 20% bis 2030 geplant.

ADNOC-ÜbernahmeZyklisch

Symrise

SY1

Einer der vier größten Aromen- und Duftstoffhersteller weltweit. Defensives Geschäftsmodell mit stabiler Nachfrage aus Lebensmittel-, Kosmetik- und Körperpflegeindustrie. Gegründet 1874 in Holzminden.

DefensivSpezialchemie

Pharma-Unternehmen

Defensive Branche mit Pipeline-Risiken und unterschiedlichen Herausforderungen

Bayer

BAYN

Pharma- und Agrochemie-Konzern. Die Monsanto-Übernahme (2018) belastet durch Glyphosat-Klagen: ~61.000 offene Fälle, über 10 Mrd. USD Kosten. Der US Supreme Court prüft 2026 den Durnell-Fall - möglicher Wendepunkt.

RechtsrisikenPipeline: Nubeqa, Kerendia

Merck KGaA

MRK

Diversifizierter Konzern mit drei Säulen: Healthcare (Pharma), Life Science (Laborausrüstung) und Electronics (Halbleitermaterialien). Geringere Abhängigkeit von einzelnen Produkten als Wettbewerber.

DiversifiziertLife Science + Electronics

Pharma-Pipeline Highlights 2026

Bayer:Nubeqa (Prostatakrebs), Kerendia (Herzinsuffizienz), Beyonttra (ATTR-CM), Asundexian (Schlaganfall)
Merck:Pimicotinib (TGCT), diverse Onkologie- und Immunologie-Kandidaten in Phase II/III

Unternehmensprofile

BAS

BASF SE

Weltgrößter Chemiekonzern | BAS.DE

46,80 €
Marktkapitalisierung: 41,6 Mrd. €
17,3
KGV
5,1%
Dividendenrendite
75,5 Mrd.
Umsatz (12M)
0,92
Beta

BASF ist der weltgrößte Chemiekonzern und kämpft mit der strukturellen Krise der europäischen Chemieindustrie. Die Energiekosten am Standort Ludwigshafen sind 3-4 mal höher als in den USA oder Asien. Das Unternehmen reagiert mit Werksschließungen (Ammoniak, Caprolactam, TDI) und verlagert Investitionen nach China (10 Mrd. Euro Zhanjiang-Projekt).

Chancen: Attraktive Dividendenrendite von über 5%, globale Marktführerschaft, mögliche Erholung der Chemienachfrage ab 2026.

Risiken: Strukturelle Energiekostennachteile in Europa, China-Abhängigkeit, zyklisches Geschäft.

BAY

Bayer AG

Pharma & Agrar | BAYN.DE

38,20 €
Marktkapitalisierung: 37,5 Mrd. €
n.a.
KGV
0,3%
Dividendenrendite
46,6 Mrd.
Umsatz (2024)
~61.000
Offene Klagen

Bayer steht vor einer entscheidenden Phase: Der US Supreme Court prüft 2026 den Durnell-Fall - eine positive Entscheidung zur Bundespreemption könnte die Glyphosat-Klagen weitgehend beenden. Über 132.000 von 197.000 Fällen wurden bereits beigelegt, doch das Unternehmen hat bereits über 10 Mrd. USD aufgewendet.

Pipeline: Nubeqa (Prostatakrebs) mit über 200.000 behandelten Patienten, Kerendia für Herzinsuffizienz, Beyonttra für ATTR-CM, und Asundexian (Schlaganfall) in Entwicklung.

Risiken: Negative Supreme Court-Entscheidung, weitere Milliarden-Urteile (Barnes-Fall: 2,1 Mrd. USD), Patent-Ausläufe bei Xarelto.

MRK

Merck KGaA

Pharma, Life Science, Electronics | MRK.DE

127,35 €
Marktkapitalisierung: 56,0 Mrd. €
24,5
KGV
1,8%
Dividendenrendite
3
Geschäftssegmente
Niedrig
Risikoprofil

Merck KGaA gilt als defensivster Wert im Chemie/Pharma-Sektor dank der Drei-Säulen-Strategie: Healthcare (Pharma), Life Science (Laborausrüstung für Biotech/Pharma) und Electronics (Halbleitermaterialien). Diese Diversifizierung reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Produkten oder Zyklen.

Chancen: Wachstum im Life-Science-Bereich durch Biotech-Boom, Halbleitermaterialien profitieren von Chip-Investments, solide Pharma-Pipeline.

Risiken: Höhere Bewertung als Wettbewerber, mögliche Zyklizität im Electronics-Segment.

COV

Covestro AG

Polymere & Kunststoffe | 1COV.DE

61,80 €
Marktkapitalisierung: 11,9 Mrd. €
n.a.
KGV
0,0%
Dividendenrendite
62,00 €
Übernahmepreis
81,77%
ADNOC-Anteil

Covestro wurde 2024 von ADNOC (Abu Dhabi) für 62 Euro pro Aktie übernommen. Der Staatskonzern hält mittlerweile 81,77% der Anteile, ein Squeeze-Out der Minderheitsaktionäre wird erwartet. Die Aktie notiert nahe am Übernahmepreis mit begrenztem Kurspotenzial.

Hintergrund: Ehemaliger Bayer-Konzernbereich für Hochleistungskunststoffe (Polycarbonat, Polyurethane). Stark zyklisch und energieintensiv - perfekter Kandidat für einen kapitalstarken Staatsfonds.

Ausblick: Für Neuinvestments uninteressant. Bestehende Aktionäre sollten auf den Squeeze-Out warten.

SY1

Symrise AG

Aromen & Duftstoffe | SY1.DE

73,76 €
Marktkapitalisierung: 10,3 Mrd. €
20,5
KGV
1,6%
Dividendenrendite
20,1%
EBITDA-Marge
Defensiv
Geschäftsmodell

Symrise ist einer der vier größten Aromen- und Duftstoffhersteller weltweit. Das Unternehmen aus Holzminden (gegründet 1874) beliefert Lebensmittel-, Kosmetik- und Körperpflegeindustrie - alles Branchen mit stabiler Nachfrage unabhängig von der Konjunktur.

Chancen: Defensive Nachfrage, hohe Kundenbindung durch maßgeschneiderte Rezepturen, Premium-Positionierung, globales Wachstum in Schwellenländern.

Risiken: Höhere Bewertung als zyklische Chemiewerte, Rohstoffpreisschwankungen, Währungsrisiken.

Sektordynamik & Herausforderungen

Energiekosten-Krise

Die deutschen Chemieunternehmen kämpfen mit Energiekosten, die 4-5 mal höher liegen als in den USA. Die Produktion liegt 15% unter dem Niveau von 2018.

  • • BASF schließt Werke in Ludwigshafen
  • • Investitionen verlagern sich nach Asien
  • • VCI erwartet keine Erholung vor 2026

China-Konkurrenz

Chinesische Chemieproduzenten expandieren aggressiv in Basischemikalien und drücken die Margen weltweit. Gleichzeitig ist China der wichtigste Wachstumsmarkt.

  • • BASF baut 10-Mrd.-Werk in Zhanjiang
  • • Überkapazitäten bei Polymeren
  • • Spezialchemie weniger betroffen

Bayer Glyphosat-Klagen

Der US Supreme Court prüft 2026 den Durnell-Fall. Eine positive Entscheidung zur Bundespreemption könnte die Klagewelle beenden.

  • • ~61.000 offene Klagen
  • • >10 Mrd. USD bereits gezahlt
  • • Supreme Court-Entscheidung Mitte 2026

Pharma-Innovation

Die deutsche Pharmaindustrie investiert in innovative Therapiegebiete: Onkologie, Kardiologie, seltene Erkrankungen.

  • • Bayer: Nubeqa, Kerendia, Gentherapien
  • • Merck: Life Science & Halbleiter
  • • M&A-Aktivität erwartet

Trends & Ausblick 2026

1

Mögliche Chemieerholung ab H2/2026

Der Branchenverband VCI erwartet eine leichte Erholung der deutschen Chemieindustrie frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2026. Voraussetzung sind stabile Energiepreise und eine Nachfragebelebung aus der Industrie.

2

Supreme Court-Entscheidung als Bayer-Katalysator

Die mit Spannung erwartete Entscheidung des US Supreme Court im Durnell-Fall (Mitte 2026) könnte die Glyphosat-Klagen weitgehend beenden und Bayer-Aktionären erhebliche Kursgewinne bescheren - oder das Gegenteil.

3

Konsolidierung und M&A-Aktivität

Nach der ADNOC-Übernahme von Covestro könnten weitere Transaktionen folgen. Staatskonzerne und Private-Equity zeigen Interesse an unterbewerteten europäischen Chemieassets.

4

Spezialchemie als sicherer Hafen

Unternehmen wie Symrise und Merck KGaA mit Spezialchemie/Pharma-Fokus bleiben die defensiveren Optionen im Sektor. Ihre geringere Energieintensität und stabile Nachfrage bieten Schutz in unsicheren Zeiten.

Chancen

  • Attraktive Dividendenrenditen bei BASF (5,1%)
  • Möglicher Bayer-Turnaround bei positivem Supreme Court-Urteil
  • Merck KGaA als diversifizierter Qualitätswert
  • Symrise als defensiver Komponentenlieferant
  • Historisch niedrige Bewertungen bei zyklischen Werten

Risiken

  • Strukturelle Energiekostennachteile in Europa
  • Negative Supreme Court-Entscheidung bei Bayer
  • China-Überkapazitäten drücken Margen
  • Zyklische Schwäche bei globaler Rezession
  • Pharma-Patentausläufe und Pipeline-Risiken

Investment-Orientierung

Für Dividendenjäger

BASF bietet mit 5,1% Dividendenrendite eine der höchsten Ausschüttungen im DAX - allerdings mit erhöhtem Risiko.

BASF

Für Qualitätsanleger

Merck KGaA und Symrise bieten Stabilität und Qualität mit defensiven Geschäftsmodellen und soliden Margen.

Merck KGaASymrise

Für Spekulanten

Bayer als Turnaround-Spekulation auf positive Supreme Court-Entscheidung - hohes Risiko, hohe Chance.

Bayer

Häufig gestellte Fragen

Welche Chemie- und Pharma-Aktien sind im DAX enthalten?

Der DAX enthält fünf Unternehmen aus dem Chemie- und Pharma-Sektor: BASF (weltgrößter Chemiekonzern), Bayer (Pharma und Agrar), Merck KGaA (Pharma, Life Science, Electronics), Covestro (Polymere und Kunststoffe) und Symrise (Aromen und Duftstoffe).

Sind Chemie-Aktien wie BASF und Covestro zyklisch?

Ja, klassische Chemieunternehmen wie BASF und Covestro sind stark zyklisch und abhängig von der Konjunktur sowie Energiepreisen. Spezialchemie-Unternehmen wie Symrise und Pharmawerte wie Merck KGaA gelten dagegen als defensiver.

Wie wirken sich hohe Energiekosten auf deutsche Chemieunternehmen aus?

Die deutschen Chemieunternehmen leiden erheblich unter den hohen Energiekosten. Die Produktionskosten liegen 4-5 mal höher als in den USA. BASF hat bereits Werke am Standort Ludwigshafen geschlossen und investiert verstärkt in China.

Welches Risiko besteht bei Bayer durch die Glyphosat-Klagen?

Bayer sieht sich mit rund 61.000 offenen Roundup-Klagen konfrontiert und hat bereits über 10 Milliarden Dollar für Vergleiche und Rückstellungen aufgewendet. Der US Supreme Court prüft aktuell den Fall Durnell, eine Entscheidung wird Mitte 2026 erwartet.

Warum gilt Merck KGaA als attraktivste Chemie/Pharma-Aktie im DAX?

Merck KGaA profitiert von einer diversifizierten Aufstellung mit drei starken Segmenten: Healthcare (Pharma), Life Science (Laborausrüstung) und Electronics (Halbleitermaterialien). Die Abhängigkeit von einzelnen Produkten oder Märkten ist geringer als bei Wettbewerbern.

Was passiert mit Covestro nach der ADNOC-Übernahme?

Der Staatskonzern ADNOC aus Abu Dhabi hat Covestro für 62 Euro pro Aktie übernommen und hält nun über 81% der Anteile. Ein Squeeze-Out der Minderheitsaktionäre wird erwartet. Die Aktie notiert nahe dem Übernahmepreis.

Keine Anlageberatung

Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Investitionen in Aktien sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bitte konsultieren Sie einen qualifizierten Finanzberater, bevor Sie Anlageentscheidungen treffen.