DAX-Sektor

Immobilien-Sektor im DAX: Vonovia im Fokus

Vonovia ist Europas größter Wohnimmobilienkonzern und die einzige Immobilienaktie im DAX 40. Mit einem historisch hohen NAV-Abschlag von ~47% bietet die Aktie Chancen, aber auch erhebliche Risiken durch Zinsen, Regulierung und politische Eingriffe.

Kurs24,47 EUR
NAV-Abschlag~47%
Dividende4,96%
LTV45,7%
Lesezeit: ca. 12 MinutenAktualisiert: Januar 2026

Ein-Unternehmen-Sektor

Der Immobiliensektor im DAX besteht ausschließlich aus Vonovia SE. Andere große Immobiliengesellschaften wie LEG Immobilien (MDAX) oder Deutsche Wohnen (2021 von Vonovia übernommen) sind nicht im Leitindex vertreten. Diese Seite bietet daher einen Deep-Dive in Vonovia sowie den deutschen Wohnimmobilienmarkt insgesamt.

Immobilien-Sektor: Auf einen Blick

Die wichtigsten Kennzahlen zu Vonovia und dem deutschen Wohnimmobilienmarkt im Überblick. Für Immobilienaktien sind neben klassischen Aktienkennzahlen besonders NAV, FFO und LTV relevant.

DAX-Unternehmen

1

Vonovia SE

Sektorgewicht im DAX

~1,5%

Marktkapitalisierung

Aktueller Kurs

24,47 EUR

Stand: Januar 2026

Marktkapitalisierung

20,8 Mrd. EUR

-12% vs. Vorjahr

KGV (P/E)

7,58

Trailing 12 Months

Dividendenrendite

4,96%

EUR 1,22 je Aktie

NAV je Aktie

46,27 EUR

EPRA NTA Q1 2025

Abschlag zum NAV

~47%

Historisch hoch

LTV (Verschuldungsgrad)

45,7%

Ziel: 40-45%

Wohnungsbestand

540.000

DE, AT, SE

Leerstandsquote

~2%

98% Vermietungsgrad

Mietwachstum (like-for-like)

3,4%

2024/2025

Erklärung der Immobilien-Kennzahlen

NAV (Net Asset Value): Der Nettoinventarwert entspricht dem Wert aller Immobilien abzüglich Schulden. EPRA NTA ist die branchenübliche Berechnung.
LTV (Loan-to-Value): Das Verhältnis von Schulden zu Immobilienwert. Vonovia strebt 40-45% an; Covenants erlauben maximal 60%.
FFO (Funds From Operations): Der operative Cashflow aus dem Vermietungsgeschäft - die relevante Ertragskennzahl für Immobilienunternehmen.
Like-for-like Mietwachstum: Mietsteigerung im bestehenden Portfolio ohne Zu- und Verkäufe - zeigt die organische Entwicklung.

Vonovia SE: Europas größter Wohnungskonzern

VNA

Vonovia SE

ISIN: DE000A1ML7J1 | WKN: A1ML7J

Vonovia ist der größte private Vermieter in Europa mit rund 540.000 Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden. Das Unternehmen entstand 2015 aus der Fusion von Deutsche Annington und Gagfah und hat seitdem durch zahlreiche Übernahmen (u.a. Deutsche Wohnen 2021) stark expandiert. Der Firmensitz ist in Bochum.

540k

Wohnungen

98%

Vermietung

79 Mrd.

Portfolio EUR

15.000

Mitarbeiter

Geschäftsbereiche

Rental (Vermietung)

Kerngeschäft: Vermietung von rund 540.000 Wohnungen. Generiert stabile, wiederkehrende Einnahmen mit hoher Planbarkeit.

Value-add

Zusatzservices wie Energie, Multimedia, Versicherungen und handwerkliche Dienste für Mieter. Wächst mit ~30% CAGR.

Development & Sales

Neubau und Verkauf von Wohnungen. Aktuell zurückgefahren wegen hoher Baukosten und Zinsen. Wird ab 2026 wieder ausgebaut.

Regionale Verteilung des Portfolios

Deutschland
~85%
Schweden
~10%
Österreich
~5%

Dividendenhistorie

JahrDividendeVeränderungAnmerkung
2024 (gezahlt 2025)1,22 EUR+36%Erhöhung nach Stabilisierung
2023 (gezahlt 2024)0,90 EUR+6%Leichte Erholung
2022 (gezahlt 2023)0,85 EUR-49%Massive Kürzung
2021 (gezahlt 2022)1,66 EUR+9%Vor Zinswende

Die Dividendenkürzung 2023 war eine direkte Folge der Zinswende und diente der Stärkung der Bilanz. Mit der Normalisierung steigt die Dividende wieder.

Kernrisiko

Zinssensitivität: Warum Immobilienaktien so stark fallen

Die Vonovia-Aktie hat seit dem Zinshoch 2022 über 60% ihres Wertes verloren. Hier erklären wir die Zusammenhänge zwischen Zinsen und Immobilienbewertungen.

Finanzierungskosten

Vonovia hat rund 45 Mrd. EUR Schulden. Jeder Prozentpunkt Zinsanstieg bei Refinanzierung kostet hunderte Millionen EUR zusätzlich pro Jahr.

Immobilienbewertung

Höhere Zinsen bedeuten höhere Diskontierungssätze bei der Immobilienbewertung. Das Portfolio wurde 2022-2023 um ca. 15% abgewertet.

Anleger-Alternative

Bei höheren Zinsen werden Anleihen als "sichere" Alternative attraktiver. Investoren verkaufen zinsempfindliche Aktien wie Immobilienwerte.

Mietnachfrage

Höhere Hypothekenzinsen machen den Immobilienkauf teurer. Mehr Menschen bleiben Mieter, was die Nachfrage nach Mietwohnungen stabilisiert.

Der NAV-Abschlag: Was steckt dahinter?

Vonovia notiert aktuell bei rund 24 EUR je Aktie, während der EPRA NTA (Substanzwert) bei 46 EUR liegt - ein Abschlag von fast 50%. Die Gründe:

  • Markt erwartet weitere Abwertungen: Viele Investoren glauben, dass die bilanzierten Immobilienwerte noch zu hoch sind.
  • Politische Risiken: Mietpreisbremse, Enteignungsdiskussionen und mögliche weitere Regulierung belasten die Bewertung.
  • Refinanzierungsrisiko: Günsttige Altfinanzierungen laufen aus und müssen teurer refinanziert werden.
  • Illiquidität der Assets: Im Gegensatz zum Aktienkurs können Immobilien nicht schnell zum NAV verkauft werden.

Der deutsche Wohnungsmarkt: Strukturelle Faktoren

Der deutsche Wohnungsmarkt wird von langfristigen strukturellen Faktoren geprägt, die für Vonovia sowohl Chancen als auch Risiken darstellen.

Struktureller Wohnungsmangel

Positiv

Deutschland braucht ca. 320.000 neue Wohnungen pro Jahr, baut aber nur ~200.000. Diese Lücke treibt langfristig Mieten und Immobilienwerte.

Mietpreisbremse (Mietpreisbremse)

Neutral

Mieten bei Neuvermietung dürfen maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Bis 2029 verlängert.

Umwandlungsverbot

Negativ

In Berlin und anderen Städten: Mietwohnungen dürfen in Sozialen Erhaltungsgebieten nicht in Eigentum umgewandelt werden.

Energetische Sanierung

Neutral

EU-Gebäuderichtlinie erfordert erhebliche Investitionen. Vonovia hat bereits energieeffiziente Standards implementiert.

Deutsche Wohnungsmarkt-Trends 2026

Preisentwicklung

  • Hauspreise: +3% bis +4% ggü. Vorjahr
  • Mieten: +3% bis +5% in Großstädten
  • Korrektur 2022-2024: ca. -13% abgeschlossen

Angebot & Nachfrage

  • Bedarf: ~320.000 Wohnungen/Jahr
  • Fertigstellung 2026: ~185.000 (Prognose)
  • Hypothekenzinsen: ca. 3,5-4,0%

Vergleich: Europäische Immobilienaktien

Wie schneidet Vonovia im Vergleich zu anderen europäischen Wohnimmobilienaktien ab? Der hohe NAV-Abschlag ist ein branchenweites Phänomen, variiert aber stark.

UnternehmenLandMarktkapitalisierungNAV-AbschlagDiv.-RenditeFokus
Vonovia SEDAXDeutschland20,8 Mrd. EUR~47%4,96%Wohnimmobilien
LEG ImmobilienDeutschland5,0 Mrd. EUR~43%4,8%Wohnimmobilien (NRW)
Deutsche WohnenDeutschlandTeil von Vonovia--Wohnimmobilien (Berlin)
Fastighets BalderSchweden8,5 Mrd. EUR~34%0%Wohn- & Gewerbeimmobilien
Grand City PropertiesLuxemburg/DE2,5 Mrd. EUR~56%0%Wohnimmobilien

Hinweis: Deutsche Wohnen wurde 2021 von Vonovia übernommen und ist nicht mehr separat börsennotiert. Die NAV-Abschläge bei europäischen Immobilienaktien sind seit der Zinswende 2022 historisch hoch.

Bilanz und Verschuldung: Der Deleveraging-Prozess

Vonovia hat in den letzten drei Jahren massiv Schulden abgebaut und rund 11 Mrd. EUR zusätzlichen Cash generiert. Der Deleveraging-Prozess ist weitgehend abgeschlossen.

Schuldenstruktur

LTV-Quote45,7%

Ziel: 40-45% | Covenant: max. 60%

Nettoverschuldung

~45 Mrd. EUR

Portfolio-Wert

~79 Mrd. EUR

Asset-Verkäufe 2023-2025

Verkäufe 2023-2024~5,6 Mrd. EUR
davon Cash erhalten~2,0 Mrd. EUR
Apollo JV (2024)1,0 Mrd. EUR
Geplante Verkäufe bis 2028~13 Mrd. EUR

Deleveraging weitgehend abgeschlossen

Vonovia-CEO Rolf Buch: “Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und rund 11 Mrd. EUR zusätzlichen Cash generiert. Wir kommen gestärkt aus der Krise.” Ab 2026 werden Investitionen auf bis zu 2 Mrd. EUR verdoppelt und 2.800 neue Mitarbeiter eingestellt.

Chancen und Risiken

Chancen

Massiver NAV-Abschlag

Die Aktie notiert fast 50% unter dem Substanzwert. Selbst bei weiteren Abwertungen ist erhebliches Aufholpotenzial vorhanden.

Zinswende der EZB

Die EZB senkt seit 2024 die Zinsen. Sinkende Zinsen könnten zu einer deutlichen Neubewertung führen.

Strukturelle Wohnungsnachfrage

Der chronische Wohnungsmangel in deutschen Großstädten sichert langfristig Mietwachstum und Portfoliowert.

Deleveraging abgeschlossen

Vonovia hat rund 11 Mrd. EUR Cash generiert und kann nun wieder offensiv investieren.

Professionelles Management

Neuer CEO Luka Mucic (ex-SAP/Vodafone CFO) bringt frischen Blick und Digitalisierungsexpertise.

Risiken

Zinsen bleiben hoch

Hoch

Sollte die Inflation zurückkehren und die EZB die Zinsen nicht weiter senken, bleibt der Druck auf Immobilienwerte bestehen.

Politische Risiken

Hoch

Mietpreisbremse, Enteignungsdiskussionen und weitere Regulierung könnten die Erträge belasten.

Portfolioabwertungen

Bei anhaltend hohen Zinsen könnten weitere Wertberichtigungen auf das Immobilienportfolio notwendig werden.

Refinanzierungsrisiko

Auslaufende günstige Finanzierungen müssen zu höheren Konditionen refinanziert werden.

Dividendenkürzung möglich

Die Dividende wurde bereits 2023 gekürzt. Weitere Kürzungen bei schwacher Entwicklung sind denkbar.

Anlagehinweise: Ist Vonovia ein Kauf?

Analysteneinschätzung

Kaufen

Mehrheitsmeinung

Kursziel (Ø)

34,55 EUR

+41% Potenzial

Risikoprofil

Erhöht

Zinssensitiv

Für wen eignet sich Vonovia?

Geeignet für:

  • + Langfristige Value-Investoren (5+ Jahre Horizont)
  • + Anleger, die an sinkende Zinsen glauben
  • + Dividendenorientierte Investoren (~5% Rendite)
  • + Anleger, die deutschen Wohnungsmarkt spielen wollen

Weniger geeignet für:

  • - Kurzfristige Trader (hohe Volatilität)
  • - Risikoaverse Anleger
  • - Anleger, die steigende Zinsen erwarten
  • - Personen mit hohem Immobilienanteil im Portfolio

Portfolio-Empfehlung

Immobilienaktien wie Vonovia sollten maximal 5-10% eines diversifizierten Portfolios ausmachen. Bedenken Sie, dass viele Anleger bereits durch ihre eigene Immobilie oder Immobilienfonds-Anteile im Immobiliensektor engagiert sind. Ein MSCI World ETF enthält bereits ca. 3% Immobilienaktien.

Häufige Fragen zum Immobilien-Sektor

Warum ist Vonovia die einzige Immobilienaktie im DAX?

Der DAX 40 wird nach Marktkapitalisierung und Handelsvolumen zusammengestellt. Vonovia ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 21 Milliarden Euro das mit Abstand größte börsennotierte Immobilienunternehmen in Deutschland. Andere große Immobiliengesellschaften wie LEG Immobilien oder Deutsche Wohnen (seit 2021 Teil von Vonovia) sind entweder zu klein für den DAX oder wurden übernommen. Der Immobiliensektor macht daher nur etwa 1,5% des DAX aus - im Vergleich zu anderen europäischen Indizes ist das unterdurchschnittlich.

Was bedeutet der hohe NAV-Abschlag bei Vonovia?

NAV steht für Net Asset Value, also den Nettoinventarwert. Bei Vonovia entspricht der EPRA NTA (eine REIT-spezifische Kennzahl) etwa 46 EUR je Aktie, während die Aktie nur bei rund 24 EUR notiert - ein Abschlag von fast 50%. Dies kann mehrere Gründe haben: Der Markt zweifelt an der Bilanzierung der Immobilienwerte, erwartet weitere Abwertungen, preist politische Risiken ein oder fordert aufgrund der Zinsunsicherheit eine höhere Risikoprämie. Historisch lagen NAV-Abschläge bei europäischen Immobilienaktien eher bei 10-20%.

Wie wirken sich Zinsen auf Immobilienaktien aus?

Immobilienaktien gelten als besonders zinssensitiv. Erstens erhöhen steigende Zinsen die Finanzierungskosten für hoch verschuldete Unternehmen wie Vonovia. Zweitens werden Immobilien bei der Bewertung mit höheren Zinsen abgezinst, was den Wert senkt. Drittens werden bei höheren Zinsen sichere Anleihen attraktiver, sodass Investoren aus Aktien in Anleihen umschichten. Die EZB-Zinswende 2022/2023 hat Vonovia etwa 60% des Börsenwerts gekostet.

Ist Vonovia ein REIT?

Nein, Vonovia ist kein REIT im rechtlichen Sinne. In Deutschland wurde 2007 der REIT-Status eingeführt, allerdings sind Bestandswohnimmobilien davon ausgeschlossen. Da Vonovia primär Wohnungen besitzt, die vor 2007 gebaut wurden, kann das Unternehmen keinen REIT-Status erlangen. Echte deutsche REITs wie die Hamborner REIT AG konzentrieren sich daher auf Gewerbeimmobilien. Vonovia funktioniert wirtschaftlich aber ähnlich wie ein REIT: Es generiert Mieteinnahmen und schüttet einen erheblichen Teil als Dividende aus.

Sollte ich Vonovia kaufen wegen des hohen NAV-Abschlags?

Ein hoher NAV-Abschlag allein ist kein Kaufgrund. Der Markt preist verschiedene Risiken ein: Mögliche weitere Portfolioabwertungen, politische Eingriffe wie Mietpreisbremse oder Enteignungsdiskussionen, und Refinanzierungsrisiken bei auslaufenden Krediten. Andererseits bietet der strukturelle Wohnungsmangel in Deutschland langfristig Unterstützung. Anleger sollten bedenken, dass Immobilienaktien zyklisch sind und stark von der Zinsentwicklung abhängen. Eine kleine Beimischung (max. 5% des Portfolios) kann sinnvoll sein, sofern Sie das Risiko verstehen.

Was ist die Mietpreisbremse und wie betrifft sie Vonovia?

Die Mietpreisbremse (§556d BGB) begrenzt Mieterhöhungen bei Neuvermietung auf maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete in Gebieten mit "angespanntem Wohnungsmarkt". Sie gilt für die meisten deutschen Großstädte und wurde 2025 bis Ende 2029 verlängert. Für Vonovia bedeutet dies, dass Mieten bei Mieterwechsel nicht auf Marktniveau angehoben werden können. Allerdings liegt die aktuelle Durchschnittsmiete bei Vonovia noch deutlich unter dem Marktniveau (die sogenannte "Reversionary Gap"), sodass selbst mit Mietpreisbremse noch Mietsteigerungspotenzial besteht.

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Keine Anlageberatung

Die auf dieser Seite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Investitionen in Aktien sind mit Risiken verbunden und können zu Verlusten bis hin zum Totalverlust führen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Bitte informieren Sie sich umfassend und ziehen Sie bei Bedarf einen qualifizierten Finanzberater hinzu.